Der Markt-Monitor
Ackermann fehlt die zündende Idee

Die schlechten Zahlen der Deutschen Bank waren bekannt. Die Börse reagiert trotzdem negativ - wohl auch, weil Ackermann wenig Hoffnung für die Zukunft bietet.
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Vor kurzem tauchten in einem Newsletter Berichte über angeblich ganz tolle Gewinne der Deutschen Bank in den ersten Wochen des Jahres 2009 auf. Ich habe mich gefragt, wie die Bank diese Gewinne gemacht haben soll, wenn sie doch angeblich den Eigenhandel so stark einschränkt. Ich habe mich auch gefragt, ob da jemand etwas für den Kurs der Deutschen Bank tun wollte.

Im Moment ist nur die Rede von den schlechten Zahlen für 2008. Die Anleger interessiert dabei auch das Risiko. Nach amerikanischer Rechnung ist der "Hebel", also der Verschuldungsgrad, etwas gesunken und liegt nun unter 30. Das entspricht dem Zielbereich der Deutschen Bank, ist aber immer noch viel verglichen mit anderen Banken. Nach europäischer Bilanzierung, die ja eigentlich auch maßgeblich ist, dürfte der Hebel eher noch leicht gestiegen sein, weil auch die Bilanzsumme gewachsen ist. Daher ist zu bezweifeln, ob die Anleger sich von der These überzeugen lassen, es seien Risiken abgebaut worden.

Wichtig ist aber auch: Es fehlt die Orientierung, wie es weitergeht. Bankchef Josef Ackermann wird sehr genau erklären müssen, in welchen Bereichen des Investment-Bankings der künftig noch Geld verdienen will, nachdem er den Eigenhandel drastisch eingedampft hat. Auch die Strategie, das Privatkundengeschäft zu verbreitern, hat ihren Haken: So lange die Postbank nicht integriert ist, kann Ackermann die Einlagen der Post-Kunden kaum für sich nutzen.

Ein Punkt noch: Wir alle, aber auch Ackermann selbst, sollten aufhören, das Thema "Staatshilfe" hochzugeigen. Es ist mitten in der Finanzkrise weder eine besondere Schmach, Staatshilfe in Anspruch zu nehmen, noch eine große Tugend, darauf zu verzichten. Die Tatsache, dass Ackermann sich mal dagegen ausgesprochen hat, muss man ihm aber auch nicht permanent unter die Nase reiben, um dann vielleicht über ihn herzufallen, falls er irgendwie indirekt doch mal mit dem Staat ins Geschäft kommt, zum Beispiel über eine Bad-Bank-Lösung. Das ist Kinderei. Ackermann sollte tun, was das Beste für die Bank ist, und man sollte ihn danach beurteilen, ob er das tut, und nicht danach, was er irgendwann mal erzählt hat.

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