Der Markt-Monitor
Anleger halten das Pulver trocken

In den USA kaufen die Investoren mit Begeisterung kurz laufende Staatspapiere. Das zeigt: Sie wollen immer noch auf Nummer sicher gehen.

Ohne Kassandra spielen zu wollen - aber heute könnte der Tag sein, wo der Aktienmarkt mal wieder ins Minus dreht. Gestern hat die Wall Street erst in der allerletzten Handelsphase den Sprung geschafft. Außerdem zeigt der Run auf kurz laufende Staatspapieren in den USA, dass die Anleger dem Braten noch misstrauen. Solche Papiere werden gekauft, wenn Sicherheit Vorrang hat.

Letztlich hängt alles davon ab, wann die nächste Bank oder der nächste Fonds über Probleme im Zusammenhang mit der Finanzkrise berichtet. Aber wenn die Aktien mal wieder durchhängen sollen, ist das auch kein Beinbruch, so lange nicht wieder Panik aufkommt wie in der vergangenen Woche.

Vielleicht hat die Fed, amerikanische Notenbank, es letztlich doch ganz clever gemacht. Dadurch, dass sie am Freitag nur den "unwichtigeren" Zinssatz gesenkt hat, ist sie in einer komfortablen Position. Die Märkte haben sich erst einmal beruhigt, aber sie wissen auch, dass die Fed im Notfall auch noch mit einer "richtigen" Zinssenkung nachlegen kann. Und wenn alles einigermaßen geordnet weiterläuft, kann die Fed im September einfach so senken, wie es ohnehin viele erwartet haben. Und die Zinssenkung am Freitag sozusagen als leichten Vorausschritt vor dieser Zinssenkung interpretieren. Das würde den Eindruck mildern, dass sie auf Zuruf der Märkte agiert hat - was sie ja letztlich getan hat.

Trotz allem dürfte es in den nächten Monaten noch schwierige Momente geben. Vor allem die Welle der ganz normalen Baufinanzierungen in den USA, die jetzt zu erhöhten Zinssätzen erneuert werden müssen und teilweise die Konsumenten erheblich überfordern dürften, ist in ihren Auswirkungen noch gar nicht abzusehen. Man darf gespannt sein, wie viele derartiger Risiken sich noch bei deutschen Banken finden. Die Amerikaner sind immer gut darin gewesen, ihre Risiken den Deutschen zu verkaufen: Auch in Hollywood ging lange das Wort vom "stupid german money" um, mit dem deutsche Filmfonds, indirekt gefördert mit deutschen Steuermitteln, Geld in amerikanische Filmprojekte mit zweifelhaften Aussichten gepumpt haben.

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