Der Markt-Monitor
Bären auf dem Vormarsch

Minuszeichen prägen die Börsen auch in der neuen Woche. Positive Nachrichten werden immer rarer. Stattdessen drückt der Ölpreis weiter auf die Laune an den Märkten. Doch die Stimmung ist noch nicht am Tiefpunkt. Das macht weitere Kursverluste wahrscheinlich.

Die Hoffnung währte nur kurz. Mit einem leichten Plus ist der Dax heute in den Tag gestartet. Doch inzwischen hat der Index wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Woher soll der Optimismus auch kommen? Positive Konjunktur- und Unternehmensnachrichten sucht man im Moment vergebens. Stattdessen hat die Inflationsdebatte die Aktienmärkte - wohlgemerkt mit etlicher Verspätung - nun voll im Griff. Das hat unter anderem dazu geführt, dass der ungebremste Anstieg des Ölpreises inzwischen unter anderen Vorzeichen diskutiert wird. Die Stimmen derer, die die Preisrally nicht als bloßen Ausdruck hoher Nachfrage werten, werden jedenfalls lauter.

Vielleicht ist das ein gutes Zeichen. Wenn sich die Öldiskussion auf eine realistischere Ebene bewegt, werden vielleicht auch andere Themen demnächst neu bewertet. Das gilt zum Beispiel für die Frage der Bewertung von Aktien. Immer noch argumentieren fast alle Banken mit den extrem günstigen Bewertungsrelationen an den Aktienmärkten, die deutliche Rückschläge unwahrscheinlich machen. Die meisten Institute halten aufgrund der niedrigen KGV-Werte sogar eine baldige Wiederbelebung der Börsen für wahrscheinlich.

So ganz passen diese Prognosen aber nicht mit den deutlich sinkenden Gewinnerwartungen zusammen. Schließlich führen geringere Gewinne automatisch zu höheren KGV-Bewertungen. Zugegeben, die Bilanzzahlen für das erste Quartal haben noch keinen Hinweis auf einbrechende Gewinne geliefert. Aber in letzter Zeit häufen sich Gewinnwarnungen wie die von Nike oder Oracle in der vergangenen Woche. Von Öl-sensitiven Branchen wie der Airline-Industrie mal ganz zu schweigen.

Berücksichtigt man außerdem, dass in Zeiten steigender Inflationsraten die Bewertungen in der Vergangenheit stets gefallen sind, verliert die KGV-Betrachtung aktuell weiter an Relevanz - zumindest dann, wenn man sie als Argument für steigende Kurse heranziehen will.

Damit bleibt als Kaufargument für Aktien eigentlich nur noch das Sentiment. Erfahrungsgemäß setzen Börsen nicht erst dann zur Wende an, wenn die Fundamentaldaten eingebrochen sind, sondern dann, wenn die Stimmung am Tiefpunkt ist. Ob wir diesen Punkt schon erreicht haben, wage ich aber zu bezweifeln. Sicher, das Lager der Skeptiker hat in den vergangenen Wochen kräftig Zulauf bekommen. Von einem ausgeprägten Pessimismus kann allerdings noch keine Rede sein.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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