Der Markt-Monitor
Börsenjahr 2008: Viel gelernt, viel verloren

Das Börsenjahr war schrecklich, aber auch ungeheuer spannend. Viele Fragen wurden beantwortet und wurden von noch mehr neuen abgelöst. Der Blick zurück ist frei von Zorn, aber Wehmut kommt beim Betrachten des eigenen Depots doch auf.
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Vor einem Jahr war ich noch davon überzeugt, es sei eine gute Strategie, Aktien nicht zu viel zu bewegen. Nicht zu versuchen, schlauer als der Markt zu sein. Nicht den Banken in die Hände zu spielen, die bei jeder Depotumschichtung gutes Geld verdienen. Lieber die Nerven zu behalten und die Zuversicht, dass jeder Rückschlag ohnehin bald wieder ausgestanden.

Das war ein Fehler. Vor ziemlich genau einem Jahr war die Börse eindeutig überbewertet. Heute wissen wir das. Aber ich hatte auch 2007 schon beinahe täglich diesen Markt-Monitor geschrieben. Und mich darin oft genug öffentlich gewundert, dass die Aktienkurse der Finanzkrise nicht etwa voraus-, sondern eher hinterher laufen. War der Markt letztlich doch dumm?

Er war es. Zu lange haben die Investoren nur auf die amerikanische Notenbank geschaut und sich mit jeder Hoffnung auf eine weitere Zinssenkung wieder in Kauflaune gebracht. Bis die Notenbank mit Zinssenkungen nichts mehr ausrichten konnte, jedenfalls nicht an der Börse. Es wäre also richtig gewesen, sich für klüger als den Markt zu halten und rechtzeitig den Aktienanteil drastisch zu reduzieren.

Ist die Börse im Laufe des Jahres 2008 nun dem Trend voraus oder ihm hinterher gelaufen? Die Antwort ist zwiespältig. Wenn wir an die große Rezession denken, die uns wahrscheinlich 2009 bevorsteht, dann fragt sich, ob sie sich in den Aktienkursen tatsächlich schon widerspiegelt. So besehen läuft sie der Nachrichten- und Prognoselage hinterher. Wenn man bedenkt, dass weite Teile der deutschen Wirtschaft - etwa Einzelhandel oder Arbeitsmarkt - die Rezession noch gar nicht richtig spüren, dann ist sie allerdings schon erheblich vorausgelaufen.

Zeitweise hatte die Kursentwicklung im ablaufenden Jahr ohnehin nur noch wenig mit wirtschaftlichen Grunddaten zu tun. Statt dessen war sie die dramatische Begleitmusik für den gewaltigen Krimi, den der etagenweise Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems darstellte. Einmal, zu Anfang des Jahres, gab es plötzlich eine unerklärliche Verkaufswelle - damit setzte der Verfall ein. Der Druck war so groß, dass die US-Notenbank mit einer Notzinssenkung eingriff. Kurz danach stellte sich heraus, dass ein Börsenhändler, der in Paris mittlerweile Kultstatus genießt, seine Bank fast in den Ruin getrieben hatte. Die Bank löste daher in Windeseile und in aller Stille Milliardenpositionen auf, um dem Zusammenbruch zu entgehen - und wirbelte das gesamte Weltfinanzsystem durcheinander.

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