Der Markt-Monitor
Danke, Ben! Und nun?

Die Liquiditätsspritze der US-Notenbank hat ihr Ziel erreicht und die Märkte stabilisiert. An den Symptomen der Krise ändert die Aktion aber nichts. Die Erholung steht daher auf wackeligen Beinen.

Welch eine Erleichterung an den Märkten! Die US-Notenbank öffnet ihre Schleusen und pumpt frisches Kapital in die Finanzmärkte. Einmal mehr hat Fed-Chef Ben Bernanke den Beweis erbracht, dass er ein Freund der Märkte ist. Und Freunde lässt man in der Stunde der Not nunmal nicht allein. Die Anleger danken es Bernanke mit einem kräftigen Schuss Euphorie. 3,55 Prozent hat der Dow Jones gestern zugelegt, so stark ging es an einem Tag seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr aufwärts.

Vieles spricht dafür, dass den deutlichen Gewinnen von gestern erst einmal ein paar weitere folgen werden. So war es in den vergangenen Monaten stets. Einer Welle nach unten folgte eine nach oben. Kurzfristige Übertreibungen in die eine oder andere Richtung werden relativ bald wieder ausgeglichen. So wird es vermutlich auch jetzt wieder sein: Zumindest einen Teil der 550 Punkte, die der Dax von Ende Februar bis gestern morgen verloren hatte, wird er jetzt wieder gutmachen.

Aber auch dieser Zwischenspurt wird nicht ewig währen. Schon nächste Woche steht wieder Ben Bernanke im Mittelpunkt, wenn er und seine Fed-Kollegen über die Leitzinsen entscheiden. Alles andere als eine Zinssenkung um 75 Basispunkte würde an den Börsen Enttäuschung auslösen. Und damit nicht genug: Die vergangenen Zinsschritte sind an den Märkten allesamt schnell verpufft. Gleiches gilt auch für die Liquiditätsspritzen der Notenbanken, die nur kurzzeitig stimulierend wirkten.

Das wirft die Frage auf, ob es dem Märkte-Freund Bernanke überhaupt gelingen kann, diese nachhaltig zu stabilisieren. Zwar sind die Taschen der Notenbank tief genug, um noch viele weitere Milliarden ins System zu pumpen. Aber Liquidität alleine kann die Vertrauenskrise an den Märkten nicht beheben. Zumal über allem noch die Sorge vor einer Rezession in den USA und deutlich rückläufigen Unternehmensgewinnen auch in anderen Teilen der Welt schwebt.

Die gute Nachricht dieser Tage ist, dass der heftige Absturz an den Börsen vorerst wieder gestoppt ist. Die schlechte Nachricht ist, dass das Pendel jederzeit wieder zurückschlagen kann.

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Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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