Der Markt-Monitor
Das Ende der Baisse?

Die Börsen starten freundlich in die neue Woche. Glaubt man US-Strategen, ist das erst der Beginn eines glänzenden zweiten Halbjahres für Aktien.

Während an den Weltbörsen der Pessimismus dominiert und in Europa Aktienexperten ihre Prognosen Stück für Stück nach unten anpassen, haben die Aktienstrategen in den USA bereits wieder auf Optimismus umgeschaltet. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter zehn US-Strategen steht den Aktienmärkten ein blendendes zweites Halbjahr bevor. Im Schnitt sagen die befragten Banker dem S&P 500 bis Jahresende einen Anstieg um 18 Prozent auf 1 515 Punkte voraus. Das wäre der stärkste Anstieg in einem zweiten Halbjahr seit einem Vierteljahrhundert. Die Deutsche Bank sieht den S&P Ende Dezember gar bei 1 650 Punkten – fast 30 Prozent höher als aktuell.

Schaut man sich die Argumente hinter den Prognosen an, scheint es, als lebten die Banken in einer anderen Welt. Nicht, dass etwas gegen Antizyklik spräche. Im Gegenteil, wer sich am Aktienmarkt konträr zur Masse verhält, erzielt oft die höchsten Gewinne. Aber die Gewinnschätzungen der Experten, auf denen die optimistischen Kursziele beruhen, erscheinen doch sehr zweifelhaft. Im dritten Quartal werden die S&P-500-Unternehmen ihre Gewinne danach um gut zehn Prozent steigern, um im Schlussquartal sage und schreibe weitere 50 Prozent draufzupacken. Für die arg gebeutelte Finanzbranche sagen die befragten Aktienstrategen gar eine Verfünffachung der Gewinne in den letzten drei Monaten des Jahres voraus.

Wie das zum aktuellen Umfeld aus Rezessionsängsten, einbrechendem US-Immobilienmarkt, Milliardenabschreibungen bei Banken und drastisch anziehenden Inflationsraten passt, geht aus der Umfrage leider nicht hervor. Vielleicht können die Experten schlicht besser einschätzen, wie es in den Unternehmen in Zukunft aussehen wird.

Alle diejenigen, die das nicht so gut können, werden ab morgen ganz genau auf die Berichtssaison der internationalen Konzerne für das zweite Quartal schauen, die traditionell mit Alcoa eröffnet wird. Allzu viel Positives erwarten die Märkte nicht, im Schnitt dürften die Gewinne deutlich zurückgehen. Aber vielleicht überrascht das eine oder andere Unternehmen ja doch mit einem guten Ausblick: Denn wenn das zweite Halbjahr auch nur annähernd so gut werden sollte wie es die US-Strategen vorhersagen, sollten die Unternehmen den Aufschwung jetzt allmählich spüren.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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