Der Markt-Monitor
Das Ende der Sorglosigkeit

Immobilienkrise, Rezessionsängst, Ölpreisschock. An den Börsen treten die Risiken wieder in den Vordergrund. Schon machen Vergleiche mit dem Crash 1987 die Runde. Doch die gehen ins Leere.

Tiefrot - so präsentieren sich die internationalen Börsen zum Wochenauftakt. Nach den US-Börsen am Freitag brechen auch in Asien und Europa die Kurse ein. Ebenso plötzlich wie sie im September verschwunden waren, sind die Sorgen an die Märkte zurückgekehrt. Und das in geballter Form: Der eher enttäuschend verlaufene Auftakt zur US-Berichtssaison nährt die Furcht vor einer Rezession in den USA. Zumal sich allmählich doch die Meinung durchsetzt, dass die Immobilienkrise noch für einige Zeit ihre Spuren hinterlassen wird. Obendrein kommt der rekordhohe Ölpreis, der mit Macht in Richtung 100-Dollar-Marke strebt. Und an den europäischen Börsen sorgt der ungebremste Anstieg des Euros ganz allmählich doch für Unwohlsein.

Zu allem Überfluss fällt das Ende der Sorglosigkeit in einen Zeitraum, der historisch Böses verheißt. Der schwere Rückschlag an der Wall Street am vergangenen Freitag fiel exakt auf den 20. Jahrestag des "schwarzen Montags" von 1987. Anlass genug für Skeptiker, Parallelen zu damals zu ziehen. Neben der vorausgegangenen Kursrally an den Börsen damals wie heute finden sie diese vor allem am Währungsmarkt, wo der US-Dollar wie vor 20 Jahren das Vertrauen der Anleger verliert.

Dass die historischen Vergleiche ins Leere laufen, zeigt aber schon die Kursentwicklung der Wall Street am Freitag. 2,6 Prozent Minus der drei großen Indizes Dow, S&P 500 und Nasdaq sind ohne Zweifel schmerzhaft. 1987 fiel der Dow Jones aber fast zehnmal so stark. Sogar das absolute Minus von 508 Punkten war trotz einer wesentlich niedrigeren Ausgangsbasis höher als der Rückgang am Freitag, als der Dow Jones 367 Punkte verlor.

Anleger sollten sich also hüten, angesichts der jüngsten Rückschläge in Panik zu verfallen. Die Börse lebt zwar von Emotionen, für die eigene Anlageentscheidung ist Sachlichkeit aber wesentlich hilfreicher. Und rein sachlich betrachtet, ist am Freitag an der Wall Street bzw. heute in Europa nicht viel mehr passiert als eine ganz leichte Gegenreaktion. Und rein sachlich betrachtet, sind weder die Unternehmensbilanzen überwiegend schlecht, noch sind Aktien im langfristigen Vergleich teuer. Ganz sachlich gesehen ist allerdings die Stimmung an der Börse zunächst einmal gekippt, die Anleger stellen Risiken wieder in den Vordergrund. Ganz sachlich gesehen spricht das kurzfristig für eine abwartende Haltung.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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