Der Markt-Monitor
Deutschland sucht die Superaktie

Die Börse verbschiedet sich vom Jahr 2007. Die Jahresendrally ist gelaufen, meinen Experten. Und doch gibt es in den letzten Tagen des Jahres noch einige spannende Entscheidungen am Aktienmarkt.

Das war es dann also mit dem Börsenjahr 2007. Liest man die Börsenausblicke für diese Woche, findet man überall den gleichen Grundtenor, dass Experten die Jahresendrally endgültig abschreiben. Abgesehen davon, dass dies viel negativer klingt als es die Börsenwirklichkeit rechtfertigt - immerhin hatten wir in den vergangenen Wochen eine recht ansehliche Jahresendrally, die den Dax immerhin von rund 7 500 noch einmal über 8 000 Punkte brachte - sind die verbliebenen Börsentage doch viel spannender als gemeinhin gedacht.

Eine Reihe von Fragen ist nämlich noch nicht geklärt. Insbesondere die nach den besten deutschen Aktien des Jahres. Sowohl in den einzelnen Indizes als auch am breiten Markt gibt es noch packende Duelle der Top-Performer: So liegen im Dax die Papiere von Deutscher Börse und Volkswagen nur um Haaresbreite auseinander: Aktuell hat die Börse mit 80 Prozent Kursplus seit Jahresanfang die Nase knapp vorne, VW bringt es bisher "nur" auf knapp 79 Prozent Wertzuwachs. Da sage noch einer, es gebe keine Spannung mehr an der Börse. Zumal sich beide Top-Performer im Dax in den vergangenen Wochen ziemlich schwach präsentierten - gerade so, als hätten sie Angst vor dem Gewinnen, um mal eine beliebte Formulierung aus dem Sportreporter-Sprachschatz aufzugreifen.

Im Rennen um den absoluten Spitzenplatz in Deutschland spielen jedoch weder VW noch die Deutsche Börse eine Rolle. Und auch der TecDax-Spitzenreiter Solon kann mit 215 Prozent Plus seit Jahresanfang kaum noch auf die Krone hoffen, unter allen Prime-Standard-Werten dürfte es für den Solarspezialisten nur für den dritten Platz reichen. Zu weit sind die Top-Platzierten - der Medizintechnikhersteller World of Medicin und LHS, ein Spezialisten für Telekommunikationsabrechnungssysteme davongezogen. Dafür verspricht das Rennen zwischen W.O.M. mit plus 262,50 Prozent und LHS mit 255 Prozent Zuwachs auf der Zielgeraden noch einigen Nervenkitzel.

Was bleibt, ist die Frage nach dem Wert der Börsen-Meisterschaft. Und hier sollten zumindest Anleger vorsichtig sein, wie ein Blick auf die Gewinner des Vorjahres zeigt. Damals lag im Prime All Share die Aktie der Spezialchemiefirma H&R Wasag mit ebenfalls knapp 260 Prozent Wertzuwachs ganz vorne. 2007 folgte jedoch der Einbruch, seit Jahresanfang ging es um 45 Prozent bergab. Auch der Spitzenwert im MDax, der Motorenbauer Deutz, hat im laufenden Jahr schwer Federn lassen müssen und der 2006er-Champion im Dax, der Stahlkonzern Thyssen-Krupp, hat bisher auf Jahressicht gerade mal ein mageres Plus von knapp drei Pünktchen geschafft.

Kein Wunder, dass die Aktionäre bei VW und Deutscher Börse offenbar nicht scharf auf den Titel der Dax-Superaktie sind.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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