Der Markt-Monitor
Die japanische Krankheit

Wenn von der Krise die Rede ist, dann taucht immer häufiger das Wort Japan auf. Und das aus zwei guten Gründen.

Einmal ist die japanische Börse besonders schwach. Hintergrund ist die angeschlagene US-Konjunktur. Viele japanische Firmen, allen voran Toyota, machen einen großen Teil ihrer Gewinne in den USA. Hinzu kommt aber der schwache Dollar. Er trifft Japan wahrscheinlich noch mehr als Europa. Zumal hier zwei Effekte zusammenkommen. Es gab lange Zeit viele "Carry-Trades", bei denen Spekulanten sich zu niedrigen Zinsen in Yen verschuldet haben um das Geld zum Beispiel in Australien oder Neuseeland mit hohen Zinsen anzulegen. Diese Trades haben den Yen künstlich gedrückt und die japanische Exportindustrie beflügelt. Sie funktionierene aber jetzt nicht mehr so, im Rahmen der Finanzkrise wurden viele Carry-Trades aufgelöst. Und die Dollar-Schwäche kommt noch hinzu. Jetzt sprechen Ökonomen schon davon, dass die Erholung der japanischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren doch nicht nachhaltig gewesen sei. Vielleicht wird jetzt zu Unrecht wieder die Schwäche Japans betont - schließlich ist gerade Toyota auch ein Beispiel für die industrielle Excellenz der Firmen dort. Aber es wird noch eine Weile schwierig bleiben an der Börse Tokio.

Das Stichwort "Japan" taucht aber auch in Zusammenhang mit der Schwäche der US-Konjunktur auf. Viele US-Experten weisen inzwischen die Vorstellung, die amerikanische Wirtschaft durchlebe nur eine kurze Anpassungsphase, zurück. Sie nennen Japan als Beispiel, wo sich nach dem Platzen der großen Immobilienblase Ende der 80er-Jahre eine Stimmung wie Blei über das Land legte, die vielleicht immer noch nicht ganz überwunden ist. Wahrscheinlich ist auch dieser Vergleich übertrieben. Aber die Diskussion zeigt, dass wir auch in den USA noch eine schwierige Strecke vor uns haben.

Die Kunst für Anleger besteht darin, lange genug im europäischen Raum und vielleicht in ausgewählten Schwellenländern zu bleiben, dann aber rechtzeitig in den USA und in Tokio zuzukaufen - weil es dort ja billig ist. Noch dürfte es aber zu früh sein für einen Strategieschwenk.

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