Der Markt-Monitor
Die Saudis sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren

Spätestens am Wochenende hat sich gezeigt: Die Zeit politisch gedrückter Ölpreise ist vorbei.

Früher war die Welt doch übersichtlicher, jedenfalls dann, wenn die Opec nicht gerade versucht hat, den Ölpreis als politische Waffe zu missbrauchen. Im Zweifel drehten die Saudis den Hahn noch ein bisschen mehr auf, und der Ölmarkt kam wieder ins Lot. Und wenn die Saudis nicht von selbst auf die Idee kamen, dürften hin und wieder freundliche Ratschläge der Amerikaner nachgeholfen haben. Dafür konnte sich Saude-Arabien der politischen Freundschaft des Westens erfreuen - ein Staat, der weltweit fundamentalistische Gesinnung fördert, fleißig die Todesstrafe anwendet und Frauen nicht einmal Autofahren lässt.

Jetzt scheint dieses Spiel nicht mehr zu funktionieren. Wahrscheinlich haben die Saudis zumindest kurzfristig gar nicht viel Möglichkeiten, den Ölpreis zu beeinflussen, weil sie den Hahn ohnehin schon fast voll aufgedreht haben. Sollte sich dieser Eindruck verfestigen, dann dürfte der Ölpreis noch stärker steigen. Denn bisher gab es so eine Art Vermutung, dass die Saudis doch noch mehr könnten, wenn sie nur wollten. Aber wenn das stimmen würde, hätten sie wahrscheinlich, wie in der Vergangenheit, schon gewollt, oder?

Das Signal vom Wochenende für die Ölmärkte ist jedenfalls schwer zu deuten. Es erinnert ein bisschen an Karl Valentin: "Können hätt ich schon mögen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut." Und solange die Lage so unübersichtlich bleibt, dürfte der Ölmarkt tendenziell die Aktienbörse belasten.

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