Der Markt-Monitor
Die Staatsrally

Paulson, der Retter - so funktionieren heute die Aktienmärkte. Aber möglicherweise haben sie sogar ein bisschen Recht.
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Der US-Finanzminister Hank Paulson ist bis an die Schmerzgrenze gegangen. Er hat die Traditionsbank Lehman über die Klinge springen lassen und damit ungeheure Risiken in Kauf genommen - wahrscheinlich weiß bis heute niemand, wie groß die Auswirkungen der Lehman-Pleite wirklich sind. Er hat den Versicherer AIG erst in letzter Sekunde aufgefangen. Jetzt gibt er sich ordnungspolitisch geschlagen und will eine ganz große Auffanggesellschaft für marode Papiere gründen.

Die Risiken für den amerikanischen Steuerzahler sind immens. Auf der anderen Seite: Allein die Tatsache, dass der Staat eingreift, wird manche Märkte stabilisieren und damit auch den Wertverfall der Papiere, die der Staat kauft. Man kann den amerikanischen Steuerzahlern nur wünschen, dass am Ende des Tages der Megadeal für sie einigermaßen glimpflich ausgeht. Auch in unserem eigenen Interesse: Der US-Steuerzahler ist zugleich der US-Verbraucher, und von dem hängt viel ab für die Weltwirtschaft.

Feiern die Aktienmärkte den Plan zu Recht? Es wird sicher auch in den nächsten Monaten wieder Hiobsbotschaften und Einbrüche am Aktienmarkt geben. Wir wollen an dieser Stelle (ganz abergläubisch) keine Namen von Banken nennen, die theoretisch auch noch in Schwierigkeiten geraten und damit neue Beben an den Märkten auslösen könnten. Aber eines ist jetzt klar: Die US-Regierung lässt einen wirklich großen Spieler nicht fallen. Und falls sich auch noch herausstellt, dass die Folgen der Lehman-Folge beherrschbar sind (was möglicherweise noch nicht ganz klar ist), dann wäre auch das eine gute Nachricht: Das System hält sogar eine Pleite dieser Dimension aus. Ein bisschen Grund zu feiern hat die Börse also schon.

Bleibt das Problem des "Moral Hazard". Wenn der US-Staat die ganz große Lösung anbietet, dann kann das als Einladung an Spekulanten wirken, es immer wieder zu versuchen. Auf der anderen Seite - erstens muss man die Details des Rettungsplans abwarten, möglicherweise ist er nicht sehr gnädig zu den geretteten Banken. Außerdem: Seit Lehman wissen die Märkte, dass auch in künftigen Krisen immer etwas ganz schief gehen, und seit AIG wissen sie, dass es selbst für Riesen sehr, sehr, sehr knapp werden kann. Und spätestens, seit jetzt kurzfristig Leerverkäufe auf Banktitel ausgesetzt wurden, wissen sie, dass auch sehr plötzlich Eingriffe direkt in Märkte passieren können. Also - so richtig einladend ist das nicht, zum Glück.

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