Der Markt-Monitor
Dollar, willst Du ewig fallen?

1,45 - 1,50 - 1,55. In rasantem Tempo geht der Dollar in die Knie. Inzwischen kommt auch die Börse an dem Thema nicht mehr vorbei.

Nun sind die Schlagzeilen also endlich da: "Dollarverfall trifft MTU Aero schwer", "EADS sucht Rezept gegen Dollarschwäche", "Dollarkurs verhagelt K+S die Bilanz" - so springt es uns seit Tagen aus den Zeitungen entgegen. Keine Wunder bei Kursen oberhalb von 1,50 Dollar je Euro. Überraschend ist allerdings, dass es zuvor lange still geblieben war. Während in den vergangenen Jahren Dollar-Kurse von 1,30 oder 1,35 bereits hektische Warnrufe von Unternehmern, Politikern und auch manchem Finanzexperten auslösten, hielten sie sich in der jetzigen Talfahrt stark zurück. Gleiches gilt für die Börse, wo der Dollarverfall als Belastungsfaktor lange Zeit vernachlässigt wurde.

Jetzt wandelt sich das Blatt jedoch, allmählich macht sich große Verunsicherung breit. Denn der Dollar sendet auch nach 10 Cent Verlust in weniger als einem Monat keine Signale für eine Bodenbildung. Kurse von 1,60 oder 1,70 Dollar, die vor einigen Monaten noch als unrealistisch galten, werden jetzt von den Banken ernsthaft diskutiert. Besonders extreme Pessimisten sehen sogar schon die Zwei-Dollar-Marke in Reichweite und Marc Faber, oberster Unkenrufer der Finanzwelt, prophezeite jüngst, dass man Dollar-Scheine irgendwann nur noch zum Heizen verwendet.

Vielleicht kommt es aber doch ganz anders. Denn erstmals im jüngsten Dollar-Abstieg haben Offizielle aus Japan und der Euro-Zone ihren Ärger über die Aufwertung der eigenen Währungen öffentlich bekannt. EZB-Chef Jean-Claude Trichet beschwerte sich ebenso wie Japans Finanzminister Fukushiro Nukaga über die Entwicklung der US-Währung und die Untätigkeit der Finanz-Verantwortlichen in den USA.

Und auch wenn US-Finanzminister als Reaktion nur die Standardfloskel bemühte, dass die USA an einem "starken Dollar" - was immer das sein soll - interessiert seien, rechnen Experten damit, dass Bewegung in die Devisenmärkte kommt. Stephen Jen von Morgan Stanley und Jim O'Neill von Goldman Sachs sehen die Tür für Interventionen der Notenbanken bereits weit geöffnet. Spätestens beim Treffen der G7-Finanzminister erwartet O'Neill ein klares Signal zur Stützung des Dollars.

Das schürt zumindest vorsichtige Hoffnung, dass der Absturz des Dollars irgendwo an seine Grenzen kommt. Schlagzeilen wie oben wird das zwar auf absehbare Zeit nicht verhindern. Zumindest böte sich den Märkten aber eine Gelegenheit zum Durchatmen. Von anderen Seiten drohen schließlich noch genügend schlechte Nachrichten.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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