Der Markt-Monitor
Erfolgreich in der Defensive

Telekom-Aktien sind die Gewinner der Stunde an den Aktienmärkten. Zwar gibt der Sektor fundamental wenig Anlass für Kauflust, doch seine Defensivqualitäten sprechen in der Baisse klar für ihn.

FRANKFURT. Der einstige Wachstumsbereich Telekommunikation gilt unter Analysten nun schon eine ganze Weile als defensiver Sektor. Bisher wurden Deutsche Telekom, France Telecom und Co diesem Ruf allerdings selten gerecht. Auch im ersten Halbjahr gingen die Aktien der Telekom-Konzerne noch stärker in die Knie als der ohnehin schon schwache Markt. Jetzt scheint bei den Investoren allerdings ein Umdenken einzusetzen. In den vergangenen zehn Tagen hat beispielsweise die Aktie der Deutschen Telekom immerhin drei Prozent zugelegt, während es für den Dax sieben Prozent abwärts ging. Auch sämtliche europäische Konkurrenten haben ihre Vergleichsindizes seither geschlagen.

Akute Gründe für den Anstieg gibt es mit Ausnahme der abgesagten Übernahme von Telia-Sonera durch France Telecom nicht. Vielmehr sind die Wachstumsperspektiven unverändert bescheiden und die Konsolidierung des Sektors stockt. Und doch übertreffen sich die Analysehäuser aktuell mit Kaufempfehlungen für Telekomaktien, weil alle anderen Sektoren angesichts der Belastungen durch Finanzkrise, Konjunkturabschwung und Inflation schlichtweg unkaufbar erscheinen.

Dagegen sind die Belastungen im Telekomsektor überschaubar: So sind die Umsätze des Sektors vergleichsweise unabhängig von der wirtschaftlichen Großwetterlage, und auch die Inflation spüren die Konzerne höchstens über steigende Energiekosten. Dies wird zum Teil auch noch dadurch aufgefangen, dass die Preise für Telekomanlagen kontinuierlich sinken.

Dies in Kombination mit einem Bewertungsabschlag im Vergleich zum Gesamtmarkt macht Telekomaktien im Moment attraktiv, wenn auch nur relativ zu anderen Branchen. Einem weiteren Rückschlag an den Aktienmärkten werden sich auch die Telekoms sicher nicht komplett entziehen können. Zunächst einmal steigen die Kurse heute aber weiter.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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