Der Markt-Monitor
Fannie und Freddie: Too big to fail

Milliardenlöcher bei den US-Hypothekeninstitute Fannie Mae und Freddie Mac werfen die Börsen nach nur einem Tag Erholung zurück ins Jammertal. Ängste vor einer Pleite der sind zwar übertrieben, die heftigen Verkäufe der Anleger aber nicht.

Jetzt also wieder die Finanzkrise! Kaum hat uns ein leichter Rückgang beim Ölpreis einen freundlichen Tag für europäische Aktien beschert, meldet sich die Kreditkrise mit Macht zurück. Und im Zentrum der neuen Sorgen steht nicht irgendwer. Es sind die beiden quasi halbstaatlichen US-Hypothekeninstitute Freddie Mac und Fannie Mae - ein Geschwistergespann, das inzwischen 80 aller neu vergebenen Häuserkredite in den USA garantiert. Fannie und Freddie sollen, so hat es die Investmentbank Lehman Brothers errechnet, könnten wegen veränderter Bilanzierungsvorschriften einen zusätzlichen Kapitalbedarf von nicht weniger als 75 Milliarden Dollar haben. Eine Summe, die selbst gewaltigen Kapitalerhöhungen der globalen Banken in den Schatten stellt.

Sorgen, dass die beiden Hypothekengiganten ausfallen könnten, dürften allerdings unbegründet sein. Zu drastisch wären die Folgen für die US-Wirtschaft, schließlich sind Fannie und Freddie mittlerweile quasi die Einzigen, die den überschuldeten amerikanischen Hausbesitzern überhaupt noch Hypotheken abkaufen. Würden sie auch noch ausfallen, wäre der Gau programmiert. Obwohl die Instiute keine explizite Staatsgarantie haben, wird es die US-Regierung soweit nicht kommen lassen, vor allem nicht im Wahljahr. Die oft zitierte Formel "too big to fail" greift in diesem Fall also tatsächlich.

Beruhigen kann das indes auch nicht. Wenn der Staat mit bei den Hypothekeninstituten einschreiten muss, fehlt dieses Geld zwangsläufig irgendwo anders. Statt aktiv die Rezession zu bekämpfen, müsste die US-Regierung Milliarden aufbringen, um die schlimmsten Folgen der Finanzkrise zu stopfen.

Die Reaktion der Märkte zeigt, dass die Anleger verstanden haben: Für eine Entwarnung an den Börsen ist es noch viel zu früh. Stattdessen ist der Belastungsmix spätestens seit gestern um eine Facette reicher.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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