Der Markt-Monitor
Gerresheimer Signale

Die Börse läuft richtig gut, sie hat die vergangene Woche abgehakt und reagiert auf positive Vorgaben aus Asien und einen letztlich versöhnlichen Wochenschluss in den USA. Aber die Aktie von Gerresheimer Glas ist gleich deutlich unter ihren Ausgabekurs von 40 Euro gerutscht - trotz des guten Umfelds. Weil das Düsseldorfer Traditionsunternehmen bisher der größte Börsengang des Jahres ist, wirft das kein gutes Licht auf weitere Aktienemissionen. Aber die frostige Aufnahme der Aktie durch die Anleger hat auch ihre guten Seiten: Sie zeigt, dass die Investoren trotz des Börsenbooms ihr Gehirn noch nicht ausgeschaltet haben.

Bei Gerresheimer scheint auf den ersten Blick alles zu stimmen. Das Unternehmen wurde von einem klassischen Bier- und Weinflaschenhersteller umfunktioniert zu einem Spezialisten, der die Pharmabranche beliefert - das gibt Wachstumsphantasie und klingt so, als sei es auch am teueren Standort Deutschland ein lukratives Geschäft.

Gleichzeitig ist das Unternehmen eine klassische Story der Restrukturierung durch Private Equity: Blackstone nahm die Firma von der Börse, pumpte sie voll mit Schulden und will nun über einen Börsengang die Schulden zum Teil wieder tilgen. Diese Story hat zwar auch ihren Reiz, sollte Anleger aber schon vorsichtiger stimmen. Denn das Geschäftsmodell von Private Equity besteht ja gerade daraus, die wesentliche Wertsteigerung selbst zu erzielen - und nicht, sie der Börse zu überlassen.

Damit kommen wir zum dritten Thema - den Zahlen. Wer auf der hübschen Homepage von Gerresheimer "Finanzberichte" sucht, erfährt nur, dass es dort "demnächst" welche zu sehen gibt - ein bisschen spät für einen Börsenkandidaten. Zurzeit ist wohl eher noch rote Farbe angesagt - was auch mit den hohen Schulden zusammenhängt, die ja getilgt werden sollen. Bloß: Wo bleibt da der berühmte Leverage-Effekt, auf den Private Equity doch baut? Wäre die Rendite im Kerngeschäft hoch genug, dürfte durch die Verschuldung der Gewinn nicht verschwinden, sondern es müsste sogar eine besonders hohe Eigenkapitalrendite geben. Wahrscheinlich ist also auch operativ noch einiges zu tun im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim. Und die Anleger haben recht, erstmal die Augenbraue hochzuziehen, bevor sie kaufen - wie es sich am heutigen Kurs ablesen lässt.

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