Der Markt-Monitor
Goldman Sachs – die Legende lebt

Goldman-Chef Lloyd Blankfein sagt auf einer Konferenz, dass er nichts abzuschreiben hat. Und die Börse spielt verrückt.

Es wäre schon sehr dreist, wenn Goldman Sachs doch noch Leichen im Keller hätte, von denen niemand etwas weiß. Alle anderen großen US-Banken haben die Kellertür geöffnet, nach dem Motto, wenn es überall stinkt, dann fällt es bei uns weniger auf. Niemand traut Goldman-Chef Blankfein zu, dass er in dieser Situation die Märkte belügen würde - es wäre ja auch dumm. Deswegen nimmt es jeder für bare Münze: Goldman Sachs, die Legende der Wall Street, hat offenbar tatsächlich die große Finanzkrise ohne Kratze überstanden.

Kaum zu glauben, und immer noch etwas rätselhaft. Vielleicht ist einfach wie bei dem Spiel die Reise nach Jerusalem: Wer zu langsam ist, findet keinen Platz. Nur, dass in dem Fall fast alle Spieler halb zwischen die Stühle gerutscht sind, während Goldman offenbar noch rechtzeitig einen Platz an der Sonne besetzt hat; die Deutsche Bank hat immerhin noch einen halbwegs soliden Stuhl gefunden, wenn auch der Lack etwas abgesplittert ist. Anders gesagt: Das Goldman-Geschäftsmodell läuft wahrscheinlich konsequenter als bei den Konkurrenten darauf hinaus, an Deals zu verdienen, aber nicht an Assets. Da kann man mittanzen, so lange es geht, aber wenn es kracht, sitzt man in Zweifel nur auf wenig Problemen. Im Prinzip hat Ackermann die Deutsche Bank in eine ähnliche Richtung getrieben, zusammen mit seinen Investment-Bankern in London. Deswegen hat er neulich ja auch gesagt: Wir mögen keine großen Kreditvolumina (mit Blick auf den Übernahmekandidaten IKB).

Der Fall Goldman zeigt aber auch, dass die Idee, zum Beispiel bei Morgan Stanley, das Ergebnis zu verbessern, indem man einfach mehr Risiken eingeht, nur halb richtig war. No risk, no fun, das stimmt schon. Aber es kommt darauf an, die Risiken anzupacken und möglichst professionell zu verarbeiten, nicht darauf, sie zu übernehmen.

Natürlich kann eine Volkswirtschaft nicht funktionieren, wenn es alle so machen. Irgendeiner muss die Risiken auch in die Bücher nehmen, es kann nicht jeder sein Geld damit verdienen, dass er sie wie eine heiße Kartoffel weiterreicht. Aber was muss Blankfein das kratzen?

Jedenfalls ist die Goldman-Aktie gestern nach oben geschossen, um mehr als acht Prozent, und hat weltweit den Finanzwerten Auftrieb gegeben. Schon dürfte sich wieder so eine Stimmung breit machen nach dem Motto "ist doch alles nicht so schlimm".

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