Der Markt-Monitor
Gutes Timing, Herr Trichet

Die Europäische Zentralbank (EBZ) hätte keinen besseren Zeitpunk finden können, um "überraschend" höhere Zinsen anzudeuten.

Ob EZB - -Präsident Jean-Claude Trichet gewusst hat, dass nachmittags relativ gute Zahlen zum US-Konsum folgen würden? In jedem Fall hat er einen guten Zeitpunkt erwischt, um von höheren Zinsen, ansatzweise jedenfalls, zu reden. Sein Kollege Ben Bernanke von den US-Notenbank hatte auch gerade angedeutet, dass es auf absehbare zumindest nicht weiter nach unten geht mit den Zinsen. Das gibt der EZB Spielraum, härtere Töne anklingen zu lassen, ohne damit allzuviel Desaster auf dem Devisenmarkt auszulösen. Die guten Daten aus den USA kamen als abmildernder Effekt hinzu.

Trotz allem hat Trichet so die kurze Erholung des Dollars natürlich gestoppt. Und das ist keine gute Nachricht, auch wenn es vielleicht kurzfristig verhindert, dass die Amerikaner an europäischen Börsen Gewinne mitnehmen, weil sie so wieder auf noch mehr hoffen können. Indirekt hat Trichet so auch dem Ölpreis Auftrieb gegeben, weil der eben in Dollar gerechnet wird.

Aber zu einer Umkehr der Geldpolitik gibt es keine Alternative. Schon wird überall von Inflation geredet. Die Preissteigerungen beim Öl und bei Nahrungsmitteln bringen das Thema so richtig in die Breite - schon wird darüber diskutiert, ob Hartz-IV-Empfänger noch klarkommen. Und auch wenn die Notenbanken hier direkt nur wenig Einfluss haben, weil echte Nachfrage, vor allem aus Asien, Öl- und Agrarpreise treibt, wäre es fatal, wenn der Eindruck entstünde, dass sie auf die Preissteigerungen gar nicht reagieren. Wie wollte Trichet glaubhaft vor "Zweitrunden-Effekten", also übermäßigen Lohnerhöhungen, warnen, wenn er zugleich die Hände in dem Schoß legt?

Interessant ist aber auch, dass die Börse direkt relativ wenig auf seine Äußerungen reagiert. Die Aktien-Anleger hängen nach wie vor fast nur an Bernankes Lippen und interessieren sich zu wenig für die EZB, obwohl Trichet auch die Renditen der langfristigen Anleihen nach oben getrieben hat, die ja die große Alternative zu Aktien darstellen. Alles in allem dürfte aber das vorsichtige Umsteuern der beiden großen Notenbanken den Eindruck verstärken: Die Jungs bekommen die Krise wieder in den Griff. Hoffen wir nur, dass sich der Eindruck bestätigt.

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