Der Markt-Monitor
Index ohne Eigenleben

Gestern stand der Deutsche Aktienindex kurz vor einem Rekordhoch, heute verliert er die Marke wieder aus den Augen. Und schuld ist wieder einmal nur die Wall Street. Der Markt-Monitor - täglich um 10 Uhr und und 15 Uhr.

Eins muss man dem Dax ja lassen: All zu viele Überraschungen muss man von ihm nicht fürchten. So auch heute: Nachdem die US-Börsen aus Sorge vor steigenden Anleiherenditen gestern eingeknickt sind, geht es auch für Deutschlands Leitindex im frühen Handel abwärts. Zwar fällt das Minus mit rund 0,8 Prozent etwas niedriger aus als an der Wall Street und die 8000er-Marke scheint vorerst nicht in Gefahr. Einmal mehr kann sich der Dax den US-Vorgaben aber nicht entziehen.

Dass es auch anders geht, zeigt der japanische Nikkei-Index. Ungeachtet der Minuszeichen an der Wall Street hat er den sechsten Tag in Folge zugelegt und den Handel auf dem Siebenjahreshoch bei 18 240 Punkten beendet. Und das, obwohl die Wirtschaft in Japan nicht annähernd so gut läuft wie die deutsche und die Abhängigkeit von der Konjunktur in den USA wesentlich größer ist. Während sich aber die westliche Welt vor steigenden Zinsen sorgt, hofft man in Japan auf ein Comeback der lange Zeit enttäuschenden Halbleiteraktien. Gestiegene Preise für DRAM-Speicherchips treiben die Aktien von Chipherstellern wie Tokyo Electron, Elpida oder Advantest in die Höhe.

Diese Vorgaben nimmt die Infineon-Aktie im Dax nur zu gerne auf. Als einzige unter den 30 Dax-Werten legt sie im frühen Handel deutlich zu. Nahezu unbemerkt drängt sich der Chiphersteller damit immer mehr in die Favoritenrolle unter Deutschlands Top-Konzernen. Schon in den vergangenen Wochen waren die Titel des Chipherstellers stark gestiegen, seit Mitte Mai steht ein Plus von knapp 18 Prozent. Lediglich der ehemalige Mutterkonzern Siemens hat im gleichen Zeitraum etwas mehr Plus erzielt. Manchmal ist der Dax eben doch für Überraschungen gut.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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