Der Markt-Monitor
Inflation als Kurstreiber?

Die Börse läuft gut - und keiner weiß so genau, warum. Jetzt gilt sogar die drohende Geldentwertung als Kaufargument.
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Die Schweizer Bank Sarasin bringt das Argument ins Spiel: Weil die Anleger Inflation fürchteten, sei die Bereitschaft gestiegen, in Aktien zu investieren. Eine mutige These angesichts der immer noch eher sinkenden Preise. Aber volkswirtschaftlich stimmt die Logik: Die lose Geldpolitik, mit der die Notenbanken die Wirtschaft ankurbeln wollen, könnte in dem Moment zur Inflation führen, wo ihnen genau das gelingt, was sie erreichen wollen. Und zumindest theoretisch sind Aktien "Sachwerte" und daher besser gegen Inflation geschützt als zum Beispiel Anleihen.

In der Praxis sind Zeiten mit hoher Inflation häufig aber doch schwache Börsenjahre gewesen. Schuld ist die "Geldillusion": Wenn die Inflation tatsächlich greift, steigen die Zinsen und die Leute kaufen lieber Zinspapiere - auch wenn die Zinsen "real" wegen der Inflation gar nicht gestiegen, sondern vielleicht sogar gefallen sind, im Extremfall unter Null. Daher könnte es sein, dass die Inflationslogik nicht aufgeht.

Vielleicht ist aber auch die Ausgangsthese falsch, und Inflationsangst ist gar nicht das entscheidende Kaufargument. JP Morgan meint in einer neuen Studie, es sei trotz aller schlechten Daten doch eine gewisse Stimmungsaufhellung zu spüren, und trägt dazu einige Umfrageergebnisse zusammen. Nach dem Motto: Es läuft zwar grottenschlecht, aber die Erwartungen sinken wenigstens nicht noch weiter, sondern ziehen hier und da ein wenig an. Insgesamt kommt so das Bild zusammen, dass die Wirtschaft vielleicht doch schon 2009 erste Wiederbelebungstendenzen zeigt. In den letzten Wochen hatte man ja eher das Gefühl, dass sich das noch bis 2010 - oder im schlimmsten Fall noch länger - verschiebt.

Einen weiteren Grund für die Kurserholung nennt auch Sarasin: Offenbar glauben viele Banken, dass sie 2009 schon wieder Gewinn schreiben können, und zwar auch unter Berücksichtigung der Abschreibungen. Wenn das eintrifft, wäre es in der Tat ein Signal, dass wenigstens in der Finanzbranche die schlimmste Zeit hinter uns liegt. Trotzdem traue ich persönlich der kleinen Rally, die wir erleben noch nicht so ganz. Aber die schlimmsten Tiefstände haben wir hoffentlich tatsächlich hinter uns.

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