Der Markt-Monitor
Intelligentes Nichtstun

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, muss heute besonders geschickt eine Nichtentscheidung verkünden.

Ich glaube, Tolstoi war es, der einmal geschrieben hat, der Reiz des Soldatenberufs liege darin, dass man immer wichtig sei, auch wenn man nichts zu tun habe. Oder so ähnlich. Bei den Geldpolitikern ist das oft genauso. Sie müssen ganz wichtig sein, obwohl sie vielleicht gerade mal nichts verändern. Möglicherweise sogar über Monate hinweg. Ihr Problem ist nur: Sie müssen zusätzlich noch besonders gut erklären, warum sie nichts tun. Gut erklären heißt in dem Fall nicht, besonders klar und deutlich erklären. Sondern eher so, dass die Märkte sich nicht aufregen und alle hoffen, dass Welt sich weiter dreht und sich keiner die Finger verbrennt.

Heute abend werden die Börsen wieder an Bernankes Lippen hängen. Weil sie ohnehin schwächeln, wird er wahrscheinlich keine Zinserhöhungen andeuten. Weil die Sorge vor der Inflation steigt, wird er wahrscheinlich betonen, dass die Notenbank einer Inflation keinesfalls tatenlos zusehen wird, obwohl sie das ja jetzt schon tut. Und um damit nicht doch jemanden zu erschrecken, wird er vielleicht sagen, dass die schwache Konjunktur das Inflationsproblem ohnehin dämpft.

Oder so ähnlich. Oft war es in letzter Zeit so, dass die Börse danach ins Schlingern geriet und zunächst gar nicht wusste, ob Bernanke jetzt als Falke oder als Taube gesprochen hatte. Vielleicht versucht er es ja als Eule: ganz klugt, aber keiner versteht genau, was gemeint ist. Und im Endeffekt schwächelt die Börse einfach ohne große Dramatik weiter.

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