Der Markt-Monitor
Jagd auf Finanzschnäppchen

Die Subprime-Krise hat auch Finanzwerte in Mitleidenschaft gezogen, die mit dem Thema eigentlich wenig zu tun haben. Welch attraktive Chanchen sich daraus für Firmenkäufer und für Aktionäre ergeben, zeigt das Beispiel AWD.

An Finanzaktien scheiden sich die Geister: Ganz offensichtlich sind die meisten Titel des Sektors nach dem Absturz der vergangenen Monate billig, wahrscheinlich sogar zu billig. Weil aber niemand mit Gewissheit sagen kann, was der Branche noch an schlechten Nachrichten droht, halten die meisten Investoren nach wie vor Abstand von Finanzaktien.

Aber die Finanzbranche ist ein breites Feld, längst nicht jeder, der in den vergangenen Monaten von der Subprime-Manie angesteckt wurde, ist auch tatsächlich ein Opfer: So sind beispielsweise die Aktein von Finanzvertrieben wie MLP und AWD kräftig unter die Räder gekommen, obwohl sie mit Subprime herzlich wenig zu tun haben. Seit Frühjahr dieses Jahres hat sich der Börsenwert beider MDax-Unternehmen in der Spitze halbiert.

Dass das übertrieben war, haben Experten zuletzt mehrfach betont, seit Wochen jagt eine Kaufempfehlung für AWD und MLP die andere. Heute zeigt sich, dass Anleger, die sich gegen den negativen Trend auf Schnäppchenjagd im Finanzsektor getraut haben, richtig lagen. Nachdem es vergangene Woche bereits Gerüchte über ein Angebot der Deutschen Bank für AWD gab, hat jetzt die Swiss Life ein konkretes Übernahmeangebot für den Vertrieb auf den Tisch gelegt. 30 Euro je AWD-Aktie bieten die Schweizer und erhalten für ihre Offerte Unterstützung vom AWD-Vorstand. Prompt geht es an der Börse für den AWD-Kurs um ein Drittel nach oben, der Konkurrent MLP legt im Sog immerhin knapp zehn Prozent zu.

Nun sollten Anleger dies aber nicht als generelles Kaufsignal für den Finanzsektor missverstehen. Im Gegenteil: Dort, wo unkalkulierbare Subprime-Risiken lauern, ist Vorsicht weiter das Gebot der Stunde. Aber das gilt längst nicht für jedes Unternehmen, das sein Geld auf irgendeine Weise mit Finanzen verdient. Die Jagd auf Finanzschnäppchen ist eröffnet.

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Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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