Der Markt-Monitor
Lehman setzt auf Amerika

Die Analysten von Lehman finden amerikanische Aktien attraktiver als europäische. Zu Recht?

Die Experten nennen als Grund offenbar die relativ harte Zinspolititk der Europäischen Zentralbank. Sie hatte letzte Woche indirekt Zinserhöhungen angedeutet. In den USA ist die Notenbank dagegen gerade so weit, dass sie weitere Senkungen nicht mehr in Aussicht stellt. Als weiteres Argument nennen die Lehman-Analysten die steigenden Arbeitskosten in Europa.

Fangen wir mit Punkt 2 an: Die steigenden Arbeitskosten können in der Tat ein Problem sein. Wenn auch wahrscheinlich nicht gerade in Deutschland, aber vielleicht in Frankreich oder in den Mittelmeerländern, deren Wettbewerbsfähigkeit nicht so stark ist. Alles in allem sind aber diese (auch in Deutschland) steigenden Kosten auch ein Ausdruck wirtschaftlicher Stärke.

Heute werden die starken Ölpreise als Launeverderber am Aktienmarkt genannt. Der Anstieg ist in der Tat dramatisch. Aber in Dollar gerechnet ist alles noch schlimmer als für Euro-Verbraucher. Letztlich kommt darin eben auch die Dollar-Schwäche zum Ausdruck. Das ist aber schwerlich ein Argument für die US-Wirtschaft.

Nicht zu unterschätzen ist freilich der Wechelkurseffekt auf die Gewinne der Unternehmen. Europäische Konzerne, die in den USA Geschäft machen, haben plötzlich weniger in der Kasse, weil ihre US-Gewinne weniger wert sind. Bei US-Konzernen, die hier Geschäft machen, ist es genau umgekehrt. Deswegen haben wir die merkwürdige Situation, dass die Unternehmensgewinne sich zum Teil gerade gegenläufig zu jeweiligen Konjunktur entwickeln.

Dann bleibt noch die Frage: Was tun die Investoren? So lange sie hoffen, dass der Euro weiter steigt, werden sie in Euro investieren, also auch in europäische Aktien. Wenn sie den Eindruck haben, dass das ausläuft, nehmen sie Gewinnne mit (die Amerikaner nehmen jedenfalls dann verstärkt Wechselkursgewinne mit). Insofern sollte die harte Rhetorik der Europäischen Zentralbank wenigstens kurzfristig eher noch Interesse an europäischen Aktien wecken.

Alles in allem also ein gemischtes Bild. Möglicherweise muss man wirklich irgendwann stärker auf US-Titel umschwenken, weil zu lange die europäischen im Vordergrund standen. Aber jetzt schon, wo in den USA doch noch sehr deutliche wirtschaftliche Rückschläge drohen, während vor allem in Deutschland das Geschäft weiter boomt? Allenfalls ein vorsichtiger Schwenk wäre wohl angebracht.

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