Der Markt-Monitor
Mit Santa Claus aus der Krise?

Ein gelungener Auftakt des Weihnachtsgeschäfts in den USA macht den Börsianern Mut. Aber ist eine große Kauflaune zum Fest wirklich ein Entspannungssignal für die Märkte?

Auf die US-Verbraucher ist Verlass: Trotz deutlich gestiegener Kreditkosten und Besorgnis erregender Wachstumsraten bei privaten Zahlungsausfällen und Befürchtungen, die heimische Wirtschaft werde in die Rezession abrutschen, bleiben die Amerikaner ihrer Konsumlust treu: Am ersten Wochenende des Weihnachtsgeschäfts, das traditionell am Freitag nach Thanksgiving startet, griffen die US-Bürger tiefer in die Taschen, als dies selbst Optimisten erwartet hatten. Insgesamt 42 bis 43 Milliarden Dollar setzten die Firmen von Freitag bis Sonntag um - rund fünf Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Wer denkt schon noch an Krise, wenn Santa Claus zum Shopping ruft.

Den Aktienmärkten gibt die Kauflust der Amerikaner neuen Schwung. Die Sorge, dass die Verbraucher als Konjunkturmotor ausfallen und die US-Wirtschaft damit direkt in die Rezession führen könnten, tritt vorerst in den Hintergrund. Gepaart mit den positiven Vorgaben der Wall Street vom Freitag zieht das den Dax im frühen Handel nach oben. Und wer weiß: Vielleicht hält sich die gute Stimmung ja ein wenig und beschert auch den Börsianern eine fröhliche Adventszeit.

Eines sollten Anleger aber im Hinterkopf behalten: Ein Großteil des Weihnachtsgeschäfts in den USA läuft auf Pump, da Santa Claus Kreditkarten bereitwillig akzeptiert. Irgendwann müssen die Geschenke zum Fest aber auch bezahlt werden. Gut möglich, dass dem großen Christmas-Shopping dann der ebenso große Kater folgt. Wie es um den amerikanischen Verbraucher tatsächlich bestellt ist, wird sich daher voraussichtlich erst im nächsten Jahr zeigen.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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