Der Markt-Monitor
Münchhausen reloaded

Hoffnung für den amerikanischen Finanzsektor. Der Plan, die Anleiheversicherer zu retten, scheint Wirklichkeit zu werden.

Die Finanzwerte werden von der Aussicht beflügelt, dass zumindest einer der angeschlagenen US-Anleiheversicherer durch eine Gruppe von Banken gerettet wird. Und darauf ziehen die Kurse der anderen Anleiheversicherer auch an, Hoffnung keimt auf für die gesamte Finanzbranche.

Bei näherer Betrachtung fällt einem freilich Baron von Münchhausen mit seinem berühmten Trick ein, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Oder der "hermeneutische Zirkel" in der deutschen Philosophie, bei dem man immer im Kreis herum argumentiert und dabei am Ende doch irgendwie schlauer wird. Die Amerikaner haben so etwas ähnlich für die Finanzbranche erfunden, glaube ich.

Denn die Wall-Street-Banken sind ja im Moment zum großen Teil selbst knapp bei Kasse und pumpen daher schon in großem Umfang Araber und Chinesen an, um ihre Kapitalstärke zu erhalten. Ausgerechnet diese Branche soll nun den Anleiheversicherern unter die Arme greifen. Die Logik ist durchsichtig: Werden diese Versicherer gerettet, dann behalten die Anleihen (und eine Menge von daran geknüpften Papieren) ihre Bonität. Und wenn diese Papiere ihre Bonität behalten, müssen die Banken nicht so viel abschreiben und schonen ihr Kapital.

Passt also alles wunderbar zusammen. Nur - woher kommt letztlich diese Bonität? Von den Banken, die selber angeschlagen sind. Man reicht also die Kreditwürdigkeit so lange im Kreis herum, bis allen schwindelig wird und sie keiner mehr in Frage stellt. Ob das gut geht? Nun, wahrscheinlich beruht das gesamte Finanzsystem zu einem großen Teil auf dieser Logik. Daher wollen wir heute optimistisch sein und sagen: Irgendwie ist es am Ende noch immer gut gegangen (um so passend zu Rosenmontag auch noch ein bisschen kölsche Philosophie in diese Kolumne zu intergrieren).

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