Der Markt-Monitor
Noch ein Staatsfonds an der Wall Street

Bei Citigroup ist ein Staatsfonds eingestiegen, bei der UBS und jetzt bei Morgan Stanley. Und die Börse freut sich.

Dass Morgan Stanley sehr schlechte Zahlen vorlegt, hatten die Börsianer schon befüchtet. Fast schon ein Witz ist aber, dass inzwischen der Einstieg von Staatsfonds - ob aus Singapur, Arabien oder jetzt aus China - quasi zur Standard-Beruhigungspille für den Markt wird. Hatten wir nicht irgendwann darüber gelästert, dass die Chinesen in Hongkong mit staatlichen Käufen ihre Börse stützten? Diskutieren wir nicht seit Monaten über die "gefährlichen" Staatsfonds aus dem Osten? Alles Blödsinn.

Wenn die Euphorie über die Chinesen verflogen ist, dürften die Signale der Europpäischen Zentralbank wieder mehr Beachtung finden. Ihr Chef Jean-Claude Trichet hat den Märkten zu seinem 65. Geburtstag kein Geschenk gemacht: Er warnt vor Inflation. Damit ergibt sich eine etwas seltsame Gemengelage. Denn erst kürzlich hatte die Bundesbank, die sonst zu den geldpolitischen Falken zählt, in ihrem Bericht eher Entspannung signalisiert nach dem Motto: Es ist nicht so schlimm mit der Preissteigerung (vor der Bundesbank-Chef Axel Weber im Sommer recht dramatisch gewarnt hatte).

Trichet wollte wohl andeuten, dass mit einer Zinssenkung so bald nicht zu rechnen ist, auch wenn der eine oder andere das bereits erwartet, nachdem bis vor kurzem noch von steigenden Zinsen die Rede war. Außerdem will er wahrscheinlich den psychologischen Effekt seiner großzügigen Liquiditätshilfen für den Geldmarkt, die auch Inflationssorgen auslösen könnten, eindämmen.

Alles in allem heißt das aber: Aus geldpolitischer Sicht gibt es keinen Grund für eine Mini-Aktienrally in den letzten Tagen des Jahres. Wahrscheinlich läuft die Börse so bis ins Jahresende, wie in den letzten Monaten schon: ohne klare Richtung. Aber unterm Strich wird es trotzdem ein ganz nettes Börsenjahr gewesen sein.

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