Der Markt-Monitor
Retten die Zentralbanken die Hausse?

Behalten Analysten und Volkswirte Recht, dürfte 2008 ein Jahr der Zinssenkungen werden. Schon die Aussicht darauf, hält die Börsen aktuell bei Laune. Was aber passiert, wenn die Unterstützung der Notenbanken ausbleibt?

Jean-Claude Trichet ist kein Mann der Überraschungen. Für gewöhnlich bereitet er Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank gut vor, sodass sich die Märkte rechtzeitig darauf einstellen können. So war auch der heutige Beschluss des EZB-Rates, die Zinsen bei viier Prozent zu belassen, von Experten mit hundertprozentiger Übereinstimmung erwartet worden.

Bei Ben Bernanke sieht das schon etwas anders aus. Die US-Notenbank ist in der Vergangenheit schon häufiger durch überraschen de Aktionen in Erscheinung getreten. Deswegen richtet sich der Fokus der Anleger nach dem erwarteten EZB-Beschluss auch schnell wieder in Richtung USA. Für die nächste Sitzung am kommenden Dienstag sagen die meisten Beobachter eine weitere Zinssenkung der Fed voraus, manche hoffen gar auf eine Senkung um 50 Basispunkte auf 4 Prozent. Und damit nicht genug: Für 2008 erwarten Bankvolkswirte einen ganzen Reigen weiterer Zinsschritte nach unten. Von jetzt 4,5 Prozent dürften die Leitzinsen auf jeden Fall unter vier Prozent sinken, die Citigroup sieht sie Mitte nächsten Jahres bei 3,5, die Deutsche Bank gar nur noch bei drei Prozent. Aber auch der EZB trauen die Beobachter zu, dass sie 2008 den Markt stützen wird. Spätestens im zweiten Halbjahr werden die Leitzinsen in der Euro-Zone sinken, erwarten die meisten Volkswirte, auch wenn die OECD der EZB jüngst stabile Leitzinsen bis Ende 2009 empfohlen hat.

Was aber, wenn die Zinssenkungs-Prediger ihren Willen nicht bekommen? Was passiert, wenn die Inflationsentwicklungen den Herren Bernanke und Trichet die Hände bindet - wo doch Analysten und Anleger in Ermangelung neuer Impulse für die Aktienmärkte ziemlich einseitig darauf zu setzen scheinen, dass gerade diese Hände helfend eingreifen?

Dann könnten sich die hübschen Prognosen vieler Banken schnell als zu optimistisch erweisen und Pessimisten wie Teun Draaisma Recht behalten. Der Europa-Stratege von Morgan Stanley erwartet für 2008 leicht rückläufige Kurse. Allerdings auch das nur, wenn die Notenbanken "proaktiv die Zinsen senken". Bleibt diese Unterstützung durch die Geldpolitik aus, hält Draaisma sogar eine deutliche Korrektur von 15 bis 20 Prozent für möglich.

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Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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