Der Markt-Monitor
Von schwarzen und schwarzen Schafen

Auf die US-Banken kommen noch höhere Belastungen zu, prophezeit die UBS. Auf die UBS auch, sagen andere Analysten. Was Anleger daraus lernen können, wenn sich die Finanzbranche selbst schlecht redet.

Verstehe einer die Banken. Als habe die Branche mit den Folgen der Finanzkrise nicht schon genug zu tun, arbeiten die globalen Geldhäuser auch noch mit Hochdruck an der eigenen Demontage mit. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht die Analyseabteilung irgendeiner Bank mit den Fingern auf andere zeigt, die ihrer Meinung noch weiteren Abschreibungs- und/oder Kapitalbedarf haben könnte. Die Zielrichtung ist variabel: Mal erklären Institute, die bisher relativ gut durch die Turbulenzen gekommen sind, dass es bei der Konkurrenz noch schwächer aussieht als ohnehin schon befürchtet, mal geraten die vermeintlichen Krisengewinner selbst unter Beschuss. Dann wiederum bescheinigen schwarze Schafe anderen schwarzen Schafen ganz große Probleme.

Gestern durfte unter anderem die UBS den Miesepeter spielen, als sie ihre Gewinnschätzungen für US-amerikanische Banken um 30 Prozent kürzte. Die Analysten aus der Schweiz vermuten, dass Abschreibungen und Kreditausfälle jenseits des Atlantiks vom Immobilienbereich auf andere Sektoren wie die Autobranche überspringen werden und neue Milliardenlöcher verursachen werden. Außerdem steige der Kapitalbedarf immer noch an, weil erschwerte Finanzierungsbedingungen an der Liquidität der Banken knabberten.

Wahrscheinlich ist es Zufall, dass die UBS-Analyse just an dem Tag herauskommt, an dem am Markt Gerüchte über weitere Kapitalmaßnahmen der Bank die Runde machen. Zumal solche Spekulationen ja mittlerweile fast täglich die Runde machen - undzwar nicht nur bei der UBS. Die Frequenz mit der sich die Warnungen der Bankanalysten vor dem eigenen Sektor häufen, hinterlassen aber einen faden Eindruck. Gerade wenn angeschlagene Häuser mit Gift schießen, wirkt das wie der verzweifelte Versuch, von den eigenen Missständen abzulenken.

Dass dieser Versuch zum Scheitern verurteilt ist, versteht sich von selbst. Denn noch schneller als die negativen Marktanalysen ausgesprochen sind, fallen sie wieder auf das eigene Haus zurück.

Die Konsequenz ist fatal: Je stärker sich die Banken selbst zerfleischen, desto mehr schwindet das Vertrauen der Anleger in den Sektor. Wenn die Investoren in der Folge nicht nur von Bankaktien sondern vom gesamten Aktienmarkt die Finger lassen, kann man ihnen das nicht verübeln. Schließlich hat sich die Finanzkrise nicht zuletzt deswegen ausgebreitet, weil die Banken einander nicht vertrauten und dieses Misstrauen die Kreditmärkte austrocknete. Und dass sich dieses Misstrauen gelegt hat, erscheint angesichts der Fülle an negativen Kommentaren aus der Branche über die Branche mehr als unwahrscheinlich.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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