Der Markt-Monitor
VW rast allen davon

Scheinbar unaufhaltbar steigt die VW-Aktie in Richtung 200 Euro. Die anstehende Aufnahme in den Euro-Stoxx-50-Index gibt den Bullen neue Nahrung. Gleichzeitig nimmt der Optimismus unter den Analysten kontinuierlich zu. Ist das der Anfang vom Ende? Der Marktkommentar - zweimal täglich auf Handelsblatt.com.

Mit leichten Anlaufschwierigkeiten startet der Dax in die neue Woche. Nach dem Sprung über 8000 Punkte holen die Anleger erst einmal Luft, zumal die Futures aus den USA auf eine etwas schwächere Wall Street hindeuten. Für einzelne Aktien - allen voran die Titel des Softwarekonzerns SAP - geht es sogar deutlicher bergab.

Aktionäre des Autobauers Volkswagen dagegen wissen vermutlich gar nicht mehr, wie sich Kursverluste anfühlen. Allein seit Jahresanfang haben die Stammaktien der Wolfsburger - ungeachtet aller Krisenszenarien - ihren Wert verdoppelt, auf Sicht von zwei Jahren steht eine Vervierfachung zu Buche. Und auch heute führen die VW-Titel den Dax mit einem Plus von mehr als zwei Prozent auf gut 172 Euro an, weil die Aufnahme des Werts in den Euro-Stoxx-50-Index am Mittwoch neues Kaufinteresse entfacht.

Überzeugende Erklärungen für den rasanten Kursanstiegs bei Volkswagen sind dabei nach wie vor Mangelware. Immer wieder taucht am Markt das Gerücht auf, der Konkurrent Porsche kaufe weiter Aktien zu. Bestätigungen hierfür gibt es allerdings nicht. Dem Optimismus der Analysten tut dies allerdings keinen Abbruch. Auffällig ist, dass die Zahl der Kaufempfehlungen parallel mit dem Anstieg der VW-Aktie zunimmt: Rieten im Juni dieses Jahres - bei Kursen um 115 Euro je Stammaktie - gerade einmal sechs von 38 Experten zum Kauf der Titel, so sind es jetzt, vier Monate und fast 60 Euro Kursplus später, immerhin 12 von 35.

Eine Garantie für weiter steigende Kurse ist das natürlich nicht - nicht selten läutet das zyklische Verhalten der Analysten das Ende einer Bewegung ein. Immerhin ist die VW-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 mittlerweile auch ziemlich sportlich bewertet. Andererseits untermauern die Erfahrungen der vergangenen Monate ganz eindeutig das, was ein Händler heute der Nachrichtenagentur Dow Jones sagte: "VW ist eine Aktie, in der man nicht short sein darf."

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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