Der Markt-Monitor
Wolfsburg feiert – die Börse rätselt weiter

Während im Machtkampf zwischen VW und Porsche die Fronten geklärt sein dürften, ist die Lage an den Börsen undurchsichtig. Immer noch sind die im Dax notierten VW-Stammaktien wegen der komplizierten Optionsgeschäfte des Porsche-Vorstands viel zu teuer. Eine schnelle Kurskorrektur ist aber nicht zu erwarten.
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Die Mitteilung kam am frühen Morgen. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Vertreter Holger Härter verlassen das Unternehmen mit sofortiger Wirkung. Damit dürfte auch der Weg frei sein für eine Integration des Sportwagenbauers in den VW-Konzern. Die Zweifel am Gelingen des Zusammenschlusses, die an der Börse zu Wochenbeginn für Unruhe gesorgt hatten, dürften nun vom Tisch sein.

Während die Entscheidung im Machtkampf zwischen Wolfsburg und Stuttgart also gefallen ist, bleibt an der Börse vieles im Unklaren. Ein Blick auf die VW-Stammaktien im Dax reicht, um das zu erkennen. Die Papiere kosten mit gut 250 Euro immer noch rund dreimal so viel, wie Analysten für angemessen halten.

Dasss diese Mondbewertung irgendwann abgebaut werden muss, steht außer Zweifel. Aber wann dies geschehen wird und vor allem wie, kann im Moment niemand sagen. Das Aktienpaket von gut 50 Prozent, das Porsche an VW hält, verbleibt jedenfalls offenbar erst mal bei den Stuttgartern. Die Papiere liegen bei der weiter unabhängigen Porsche SE, also der Holding-Gesellschaft. Dass das knappe Angebot an VW-Aktien, das in den vergangenen Monaten entscheidend zur Kursrally an der Börse beigetragen hat, durch ein plötzliches Überangebot abgelöst wird, ist also nicht zu erwarten.

Ebenso vage lässt sich abschätzen, was mit den Optionen auf VW-Aktien passiert, mit denen sich Porsche einen Anspruch auf weitere 20 Prozent an dem künftigen Mutterkonzern gesichert hatte. Im Gespräch ist eine Lösung, bei der das Emirat Katar die Optionen kauft und damit bei VW einsteigt. Ob Katar das tatsächlich tut und zu welchem Preis? Man weiß es nicht. Immerhin soll sich das Emirat auch schon an der Kapitalerhöhung bei Porsche beteiligen.

So lange das Optionsgeschäft, dessen Details Porsche-Finanzchef Holger Härter wohl als ewiges Geheimnis hüten wird, nicht aufgelöst ist, wird es bei den VW-Stämmen jedenfalls keine nachhaltige Beruhigung geben. Deshalb traut sich auch kein Experte im Moment zu sagen, ob die Papiere nicht noch einmal hoch springen, ehe der überfällige Kurssturz kommt.

Für Anleger, die ihr Glück bei VW versuchen wollen, ist die Devise klar. Sie sollten die Stammaktien links liegen lassen und stattdessen auf die Vorzugsaktien der Wolfsburger schauen. Schaulustige Börsianer dürfen hingegen die Stämme auf keinen Fall aus den Augen verlieren. Denn Spannung ist hier auch für die nächste Zeit garantiert.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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