Der Markt reagiert derzeit auf Versicherer nervös
CGNU hilft auch ein neuer Name nicht

Auch ein neuer Name half nicht: Als der größte britische Versicherer CGNU seine Resultate für das Jahr 2001 verkündete, sackte der Aktienkurs in sich zusammen.

LONDON. Bis zum Mittag weitete sich der Verlust fast stündlich aus. Am Ende war es ein Minus von mehr als 9 %, das die Aktie des aus einem Merger von CGU und Norwich Union gebildeten Konzerns erschütterte. Dass CGNU seine rund 50 Namen weltweit künftig fast überall durch die "internationale" Bezeichnung Aviva plc. ersetzt, interessierte kaum jemanden. Die schlechte Stimmung schlug sich auf die gesamte Branche nieder.

Beobachter stießen sich vor allem an der von CGNU angekündigten Dividendenkürzung für das Jahr 2002. Zwar blieb die Ausschüttung in diesem Jahr konstant bei 38 p je Aktie. Für das kommende Jahr kündigte CGNU jedoch einen Einschnitt um mehr als ein Drittel auf 23 p an. Von den eingesparten rund 350 Mill. Pfund (knapp 575 Mill. ? ) erhofft sich CEO Richard Harvey, weiter zu expandieren.

Marktteilnehmer interpretierten den Schnitt jedoch offenbar anders: Für sie gilt er als ein Zeichen, dass sich der Kapitalbedarf im Finanz-Bereich zu einer ungünstigen Zeit erhöhen könnte. Denn fast zeitgleich mit CGNU kündigte gestern die fünftgrößte britische Bank HBOS an, über die Ausgabe neuer Aktien gut 1,37 Mrd. Pfund für ihren Angriff auf die "Big Four" einzusammeln. "Wenn sich jemand in einer Schwächephase mit Finanzierungswünschen an den Markt wendet, kommt das nicht gut an", resümierte Roger Hill, Analyst von UBS Warburg.

Ein unglücklicher Zufall dürfte also einer der Gründe dafür sein, warum CGNU "übermäßig hart" (Hill) bestraft wurde. An den Resultaten der ab 31. Oktober in Aviva plc. umbenannten CGNU lag die Kursschwäche nur bedingt. Der Konzern glänzte im vergangenen Jahr mit einem operativen Gewinn von 2,004 Mrd. Pfund, einem Plus von 41 % gegenüber 2000. Das langfristige Einlagengeschäft des Marktführers im Königreich (11 % Anteil) legte deutlich zu, das Neugeschäft stieg sogar um fast ein Drittel. Die abgeschlossene Fusion zu CGNU erbrachte 317 Mill. Pfund Kosten-Ersparnis pro Jahr, mehr als einst mit 275 Mill. Pfund veranschlagt. Dennoch musste CGNU wie schon ein paar Tage zuvor Prudential feststellen, dass das Umfeld für die Versicherer derzeit nervös reagiert. Der Konkurrent verlor damals wegen überraschend hoher Ausfälle bei amerikanischen Anleihen. Schon seit Monaten sind die britischen Versicherer unbeliebt: Wegen des 11. September und höherer Risikokredite steht der Sektor im Sechsmonatsvergleich um ein Drittel schlechter da als der Index FTSE-100.

Abgesehen von den gestrigen Ereignissen gilt CGNU, deren Aktie sich seit Monaten ebenfalls schlechter entwickelt als der Markt, als gut aufgestellt. Das Institut, dass stärker auf das Geschäft mit Privaten als mit Unternehmen setzt, leidet nur auf dem Heimatmarkt an schwächeren Margen - der operative Gewinn für die Versicherung in UK ging etwa um gut 8 % zurück. Dafür wächst das Institut in anderen Märkten. "In Italien und Spanien sind sie sehr gut aufgestellt", sagt der Analyst einer französischen Bank. Dem Management stellte er ein gutes Zeugnis aus. Es sei fähig, die "Ausgaben unter Kontrolle zu halten". Dennoch klingt sein Urteil eher verhalten: "Es wird andere Versicherer härter treffen."

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