Der Marktanteil Münchens soll in drei bis fünf Jahren auf zehn Prozent steigen
Bayerische Börse wagt einen Alleingang

Die Bayerische Börse will mit einem neuen elektronischen Handelssystem (Max-One. EU) verlorenes Terrain aufholen und zur Nummer zwei unter den deutschen Börsen hinter Frankfurt aufsteigen.

mwb MÜNCHEN. Die Münchener Regionalbörse hatte zuletzt stark unter dem Einbruch des Neuen Marktes gelitten. In den vergangenen beiden Jahren halbierte sich ihr Marktanteil im Aktiengeschäft von 2 auf unter 1 %. Die Münchner liegen damit auf dem vierten Platz hinter Düsseldorf und Stuttgart. "Wir wollen unseren Marktanteil mittelfristig auf 10 Prozent erhöhen", erklärte Börsen-Chefin Christine Bortenlänger gestern. Ihren Optimismus schöpft sie aus dem neuen System, das Anfang 2003 zur Verfügung stehen soll und eine unmittelbare Orderausführung verbunden mit verlässlicher Preisgarantie ermöglicht. Es handele sich um die größte Investition, die die Bayrische Börse je getätigt habe, erklärte Co-Börsenchef Andreas Schmidt. Konkrete Angaben zur Höhe der Investition machte er nicht.

Im Gegensatz zu den bisherigen Systemen gibt es keine Makler mehr, sondern nach amerikanischen Vorbild der Wall Street nur noch so genannte "Spezialisten". Sie treten in Aktion, wenn das Geschäft auf elektronischem Weg nicht direkt zustande kommt.

Die Spezialisten garantieren ausreichende Liquidität für eine sofortige Orderausführung zu marktgerechten Preisen. Größter Vorteil gegenüber den bestehenden Systemen: Teilausführungen von Aufträgen, die für Privatkunden mit erhöhten Gebühren verbunden sind, soll das Max-One ausschließen. Fünf Wertpapierhandelsbanken fungieren als "Spezialisten". Dies sind die Baader Wertpapierhandelsbank, Gebhard & Schuster Wertpapierhandelsbank AG, ICF, MWB und die Wolfgang Steubing AG. Sie sollen Quotierungen für die einzelnen Titel stellen und damit das Geschäft beleben.

Dem Monopol entgegensteuern

Die Bayerische Börse will mit Max-One einer Monopolisierung der deutschen Börsenlandschaft durch das Xetra-System der Deutschen Börse in Frankfurt entgegensteuern. Max-One wird dabei die Preisstellung des bestehenden Xontro-Systems der Regionalbörsen ersetzen. Allerdings bleiben die Schnittstellen und die Anbindung zum Xontro-System erhalten. Die Banken müssten keine neue Hardware anschaffen, hieß es. Die erste Resonanz der Kreditinstitute sei "erfreulich", sagte Bortenlänger.

Die Börsenchefin erwartet, dass in Deutschland nur noch drei Börsen überleben werden. Welche das außer Frankfurt und München sein werden, wollte sie nicht verraten. Max-One soll aber auf "keinen Fall" anderen Regionalbörsen zur Verfügung gestellt werden, sagte der Vorsitzende des Börsenrates der Bayerischen Börse und Vorstandschef der Baader Wertpapierhandelsbank AG, Uto Baader. Kooperationen mit anderen Börsen schloss Bortenlänger aber nicht aus.

Die Börsenvorstände sind sich bewusst, dass ein Alleingang auch Risiken birgt. Doch Schmidt verweist darauf, dass man der schrumpfenden Bedeutung der Regionalbörsen nicht tatenlos zusehen könne. Das neue System verbessere für die Privatkunden den Handel mit umsatzschwachen Werten. Insgesamt sollen über 5 000 Aktien und 3 000 Rentenpapiere gehandelt werden können. Fortlaufende Notierungen würden für die Aktien aus Dax, Nemax50, MDax, Euro Stoxx 50, Stoxx 50, Dow Jones und Nasdaq 100 geboten. "Für alle anderen Aktien werden wir fortlaufende Auktionen einrichten", sagte Baader.

Während Xetra hauptsächlich für den institutionellen Anleger mit einem durchschnittlichen Ordervolumen zwischen 30 000 und 40 000 Euro konzipiert sei, soll sich Max-One als Börse für den Privatanleger etablieren, der durchschnittlich Aufträge von bis zu 6000 Euro abgebe, sagte Baader.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%