Der Medienmogul wird 75 Jahre alt
Leo Kirch: Der Herr der Rechte

In knapp fünf Jahrzehnten hat er aus dem Nichts einen mächtigen Medienkonzern aufgebaut. Leo Kich zieht zwar weiterhin die Fäden. Aber seinen Nachfolger hat er bereits bestimmt.

MÜNCHEN. Ohne viel Pomp will Leo Kirch an diesem Sonntag seinen 75. Geburtstag begehen. Wahrscheinlich besucht der streng gläubige Katholik an seinem Ehrentag einen Gottesdienst, wie so oft an Sonntagen. Vielleicht lässt er diesmal auch - ganz gegen seine sonstige Gewohnheit - am Sonntag die Geschäfte ruhen. Aber nicht um zu feiern. Denn "große Festfeierlichkeiten sind nicht geplant", berichtet sein Adlatus Dieter Hahn.

Vor fünf Jahren war das noch ganz anders. Seinen 70. Geburtstag hatte der Medienunternehmer in glanzvollem Rahmen und mit viel Prominenz in der Münchener Residenz gefeiert. Doch Leo Kirch, der mit dem glitzernden Filmbusiness ein Vermögen gemacht hat, steht selber nicht gern im Rampenlicht der Öffentlichkeit.

Zwar öffnet sich die Kirch-Gruppe Schritt für Schritt, Leo Kirch hegt sogar konkrete Börsenpläne. Doch der Liebhaber klassischer Musik meidet Partys und Fotografen. Auch die Mitarbeiter der Konzernzentrale im Münchner Vorort Ismaning bekommen ihren Chef nur bei der alljährlichen Weihnachtsfeier zu Gesicht.

Leo Kirch ist einer der schillerndsten und einflussreichsten Unternehmer Deutschland. Sein größter Coup war sicher der Einstieg bei Axel Springer, Deutschlands zweitgrößtem Printverlag. Wie kaum ein anderer hat er zudem die Entwicklung des privaten Fernsehens geprägt. Und gerade das hat ihn zu einer der umstrittensten Persönlichkeiten in diesem Land gemacht.

Medienpolitiker, besonders linke, haben ihm immer wieder vorgeworfen, er arbeite an einem Fernsehmonopol. Die Nähe des konservativen Konzernlenkers zu gleichgesinnten Politikern ist in der Tat auffällig. Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl, mit dem Kirch freundschaftlich verbunden ist, hat sogar einmal bei den Brüsseler Wettbewerbsbehörden für Kirch interveniert - allerdings ohne Erfolg.

Bayern hat Kirch viel zu verdanken: Die Landeshauptstadt München hätte wohl kaum ihre heutige Bedeutung als Medienstandort ohne die Kirch-Gruppe. Kein Wunder, dass sich die CSU-Regierung in München wenn es geboten scheint für den Konzern einsetzt. Auch die halbstaatliche Bayerische Landesbank, eine der Kirch-Hausbanken, ist seit Jahren ein verlässlicher Partner. Zuletzt gewährte sie Kredite, mit denen Kirch den milliardenschweren Einstieg in die Formel 1 finanzierte.

Noch immer sitzt der hoch aufgewachsene Mann mit dem vollen grauen Haar fast jeden Tag an seinem Schreibtisch. Kirch steuert sein Medienimperium von einem einem schlichten, unscheinbaren Gebäudekomplex aus. Der Trakt mit den Büroräumen des Chefs ist durch besondere Sicherheitsschleusen abgeschottet. Ein zweites Büro befindet sich in der Münchener Innenstadt - in der Nähe des Nobelhotels Bayerischer Hof, wo Kirch ein gern gesehener Gast ist. Hier hat er schon so manchen Deal eingefädelt.

Kirchs Aufstieg begann 1956 mit dem Kauf der Rechte an dem italienischen Film "La Strada". Schon früh erkannte der promovierte Betriebswirt, dass das gerade erst entstehende öffentlich-rechtliche Fernsehen auch ausländische Produktionen braucht, 1959 begann er damit, sich Lizenzrechte an Hollywood-Streifen zu sichern. Heute verfügt die Kirch-Gruppe über eine der größten Filmbibliotheken der Welt. Die Geschäfte florierten, die Margen erreichten Schwindel erregende Höhen. Kirchs größter Kunde waren zunächst ARD und ZDF. Mit dem Start des Privatfernsehens Mitte der achtziger Jahre baute er dann gegen alle Widerstände den größten deutschen TV-Konzern auf. Und er glaubt an der Erfolg des Pay-TV, das ihm bislang allerdings nur Verluste beschert.

Kirch ist ein harter und trickreicher Spieler, der seine Karten immer voll ausreizt. Das hat der Fall EM.TV erneut gezeigt. Nach monatelangen, nervenzehrenden Verhandlungen gab Kirch plötzlich den geplanten Einstieg bei dem Medienunternehmen und Lizenzrechtehändlers auf. Denn inzwischen hatte er, was er wollte: Die Mehrheit am Formel-1-Zirkus.

Schon oft wurde Leo Kirch wegen der immensen Schuldenlast seines Konzerns abgeschrieben. Doch bislang er immer einen Ausweg aus Krisensituationen gefunden. Gestern verkaufte er die Rechte für die TV-Übertragung der Fußball-WM 2002 und 2006 in Großbritannien für 500 Millionen Mark, schätzen Branchekenner.

Leo Kirch, der schwer zuckerkrank ist, hat seine Nachfolge geregelt. Nicht seinen einzigen Sohn Thomas, sondern den 40-jährigen Dieter Hahn hat er zum Kronprinzen gekürt. Kirch jüngst in einem Interview: "Mein Haus kann nur der Dieter bestellen."

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