Der Medienzar hat den britischen Markt umgekrempelt
Murdoch begibt sich in Lauerstellung

Rupert Murdoch ist kein Träumer. Doch mit einem größeren Anteil an Leo Kirchs Fernseh- und Rechteimperium würde sich der australische Medienzar im hohen Alter einen alten Traum erfüllen - den Einstieg im deutschen TV-Markt.

LONDON. Nachdem Murdoch in Italien und Frankreich gescheitert ist, bleibt Deutschland für den Medienzar in Westeuropa die letzte Chance, will er seinen globalen Medienkonzern verwirklichen. Schon jetzt kann sein Konzern News Corporation bereits drei Viertel der Menschheit mit Informationen versorgen. Mehr Macht bei Pro Sieben und Sat 1, das wäre für den 71 Jahre alten Kämpfer eine persönliche Genugtuung. Seit 1993 versucht Murdoch vergeblich, in Deutschland Fuß zu fassen.

Seine Strategie ist einfach: Er will die Mehrheit an einem privaten freien Sender übernehmen, diesen mit vielen exklusiven Sportübertragungen und US-Filmen zur Nummer drei hinter ARD und ZDF machen, dann mit Angeboten wie Pornofilmen mehr und mehr in ein Bezahlfernsehen umwandeln - und richtig Geld verdienen.

Porno, Sport und Spielfilme - schon fürchten Politiker den Sittenverfall im deutschen Fernsehen. Tatsächlich würde sich mit Murdoch die deutsche TV-Landschaft verändern; spätere Nebenwirkungen auf den Zeitungsmarkt nicht ausgeschlossen. Der Zweck, mehr Auflage und Quote zu erreichen, heiligt bei Murdoch beinahe jedes Mittel. Jüngstes Beispiel: Die von ihm kontrollierte Firma NDS in Israel, Hersteller der für das Bezahlfernsehen wichtigen Verschlüsselungstechnik, soll den Code des französischen Erzrivalen Canal+ geknackt und für jedermann ins Internet gestellt haben.

Um in den wichtigen US-Markt zu kommen, ließ sich Murdoch eigens als Amerikaner einbürgern. Und für einen seiner größten Coups, den Einstieg im chinesischen TV-Markt, untersagte er einem seiner Verlage, die chinakritischen Memoiren von Hongkongs Ex- Gouverneur Chris Patten zu veröffentlichen. Eine Milliarde Zuschauer seien ihm wichtiger als das Buch eines Pensionärs, bügelte Murdoch seine Kritiker ab.

In Westeuropa hat Murdoch bislang nur in Großbritannien seine Marktmanieren offenbart. Fast jede zweite britische Zeitung gehört zu Murdochs Imperium, darunter das Massenblatt "Sun" und die "Times". Der von ihm kontrollierte Pay-TV-Sender BSkyB ist heute ebenfalls klarer Marktführer. Mit ruinösen Preiskriegen versucht Murdoch, die Konkurrenz in Schach zu halten. Teure Filmrechte mit den US-Studios oder Sportrechte werden knallhart nachverhandelt. Und ob TV oder Print - für die Qualität gibt es selbst bei der "Times" nur eine Richtung: hin zum Massenmarkt. Den journalistischen Bedenken steht in England der wirtschaftliche Erfolg gegenüber. Die "Times" hat ihre Auflage verdoppelt, BSkyB strebt schwarze Zahlen an. Und Murdoch hat noch Pläne: Seine Strategen in London basteln an einer kostenlosen Zeitung für die U-Bahn und an der Übernahme des freien TV-Kanals Channel 5.

Den englischen TV-Markt hatte Murdoch übrigens ebenfalls mit viel Raffinesse, aber ohne Lizenz angegriffen - per Satellitenkanal von Luxemburg aus. Damit setzte er BSB, den einzigen Sender mit einer entsprechenden Lizenz für das Bezahlfernsehen in Großbritannien, so lange unter Druck, bis dieser mit Murdochs Kanal zu BSkyB fusionierte.

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