Der Münchener Medienkonzern ist mal wieder unter Druck
Leo Kirch arbeitet auf vielen Baustellen

Leo Kirch liebt das Risiko. Der 74-jährige Medienunternehmer pokert hoch - und verlässt den Tisch meist als Gewinner. Irgendwie findet Kirch immer einen Weg aus der Krise, und sei es in letzter Minute. Dafür wird der Winzersohn mit dem engmaschigen Beziehungsnetz von vielen bewundert.

DÜSSELDORF. Doch die Zahl der Schauplätze hat sich in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Kirch baut auf vielen Baustellen - auf zu vielen, meinen manche Kritiker. Alarmierend erscheint vor allem, dass die Kirch-Gruppe in ihrem Kerngeschäft, dem Handel mit Filmrechten, unter Druck geraten ist. Die Margen ist diesem lukrativen Geschäftsfeld, das lange die Expansion des gesamten Kirch-Konzerns finanziert hat, sind im vergangenen Jahr deutlich in die Knie gegangen. Die vielen jungen Lizenzhandels-Firmen sind mit dem frischen Kapital, das sie am Neuen Markt eingesammelt haben, auf Einkaufstour gegangen und haben die Preise kaputtgemacht. Das bekommt jetzt auch die Kirch-Media heftig zu spüren, in der das Kerngeschäft gebündelt ist. Zudem schauen sich die Fernsehzuschauer inzwischen lieber Quiz-Shows und Blödel-Sendungen an. Doch gerade hier laufen kleinere Firmen wie Endemol oder Brainpool der erfolgsverwöhnten Kirch-Gruppe den Rang ab. Die Aufholjagd, die jetzt der Ex-Sat-1-Chef Fred Kogel organisieren soll, dürfte schwierig werden.

Schlechte Zeiten also für den Filmhändler Kirch, der jetzt verstärkt in den Handel mit Sportrechten einsteigen will. Doch auch dies ist nicht so einfach, wie die jüngste heiße Diskussion um die Fußball-Rechte in Deutschland zeigt. Zudem gilt der Handel mit Sportrechten, deren Preise zuletzt ebenfalls explodierten, als margenschwach.

Ohnehin leiden die großen Fernseh-Sender in Deutschland derzeit unter der Werbeflaute. Im laufenden Jahr dürften die Werbeeinnahmen der TV-Konzerne bestenfalls stagnieren. Auch das trifft den Münchener Medienkonzern, macht doch das Geschäft mit Pro 7, Sat und Co. fast zwei Drittel des Umsatzes bei Kirch-Media aus. Und der Aktienkurs der Kirch-Tochter Pro Sat ist seit Monaten auf Talfahrt. Besserung ist hier kurzfristig nicht in Sicht.

Dazu kommt das andauernde Geschacher um den Einstieg bei der angeschlagenen Medienfirma EM.TV und damit bei der lukrativen Formel 1. Jetzt zeichnet sich offenbar eine Wende ab. Mit dem Ausstieg Thomas Haffas bei EM.TV wird unter Umständen auch Kirch auf die geplante Beteiligung verzichten. Damit könnte das Kartellamt endlich grünes Licht geben. Zwar erscheint die Lösung für die Kirch-Gruppe nicht optimal. Doch die Münchener können damit endlich über die Beteiligung an der Formel 1 verfügen.

Die Lösung der Krise ist im Interesse Kirchs - insbesondere mit Blick auf den geplanten Börsengang der Kirch-Media. Denn mit der Einbeziehung der Formel 1 könnte der Börsenkandidat deutlich im Wert steigen und so für das Going-Public schön gemacht werden.

Denn eines ist sicher: Das frische Kapital aus dem Börsengang kann die Kirch-Gruppe gut gebrauchen. Allein im vergangenen hat Kirch-Media fast 3,5 Milliarden Mark in neues Programm investiert. Dies wird bei sinkenden Gewinnmargen nicht mehr lange aus eigener Kraft zu stemmen sein. Zudem hat Leo Kirch den Investoren einen Börsengang bis 2003 versprochen. Deshalb wird der Gang an die Börse wahrscheinlich schon im nächsten Jahr kommen. Kirch hofft, dass sich die Märkte bis dahin erholt haben.

Und dann hängt Leo Kirch natürlich noch das Abenteuer Pay-TV am Hals, das bisher Milliarden verschlungen hat. Es wird also spannend, ob und mit welchen Tricks es Kirch diesmal aus der Krise schafft.

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