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Der Mythos Vespa lebt

Hamburg/Hannover (dpa/gms) - Mit dem Motorroller zum Pauken in die Uni, zum Freunde treffen im Park oder mit der Wasserkiste zwischen den Beinen zum Einkaufen: Wer Vespa fährt, liegt derzeit in den deutschen Großstädten im Trend.

Hamburg/Hannover (dpa/gms) - Mit dem Motorroller zum Pauken in die Uni, zum Freunde treffen im Park oder mit der Wasserkiste zwischen den Beinen zum Einkaufen: Wer Vespa fährt, liegt derzeit in den deutschen Großstädten im Trend.

Ein Roller ist in der Stadt als Fortbewegungsmittel praktisch: Es gibt geringe Unterhalts- und Fahrtkosten, nie Parkplatzprobleme, und Staus verlieren ihren Schrecken. Aber eine echte Vespa zu fahren, ist mehr als das: Die Roller aus Italien sind Kultobjekte. "Es ist schon cool, wenn ich auf der Straße gefragt werde, wie alt meine Vespa denn sei" - so alt wie ihr Besitzer, antwortet der Germanistikstudent Christian Löwitz aus Hamburg: Seine "Vespa 50 Spezial" ist von 1976.

Gerade Roller aus den sechziger und siebziger Jahren sind bei den Fans begehrt, sagt Stephan Czempinski, Herausgeber der in Bottrop erscheinenden Zeitschrift "Classic Scooter". Doch diese Jahrgänge sind rar. Ein gut erhaltenes Modell kann schnell 1600 ? kosten. Vespa-Fahrer wollen sich von der Masse absetzen und keine "08/15-Roller" besitzen, so Czempinski: "Leute, die aus Überzeugung einen antiquierten Blechroller fahren, kann man nicht mit denen zusammenwürfeln, die aus praktischen Gründen eine "Automatikfuffy" fahren" - solche "Plastikroller" sind in der Vespa-Szene verpönt.

Wenn die Technik der älteren Zweiräder mal versagt, dann kann das meiste selbst gerichtet werden - zumindest dann, wenn der Besitzer handwerklich geschickt ist. Geht es um komplizierte Reparaturen oder die Restauration des Lieblingsmodells, muss aber ein Spezialist ran.

Als Experte dafür gilt zum Beispiel Wolfgang Riehn von "Scooter & Service" aus Hamburg. Der 36-Jährige betreibt seit gut vier Jahren eine Vespa-Werkstatt. "Nachmittags ist hier die Hölle los", erzählt der Mechaniker. "Die einen wollen sich einfach nur über Vespas informieren, und die anderen kommen zu mir, um über Vergaser oder Zahnräder zu fachsimpeln." Der Roller-Schrauber ist eigentlich Musiker, aber irgendwann hat er sein Hobby zum Beruf gemacht.

Bei Roller-Händlern heiße es schnell, dass man sich statt der älteren Modelle lieber was Anständiges anschaffen sollte, weiß der Experte. Aus diesem Grund hat Riehn zuweilen Kundschaft aus ganz Deutschland: "Es gibt welche, die kommen hier mit einem in einer Scheune gefundenen Roller rein und sagen: "Mach' den bitte wieder wie neu." Denen ist dann auch klar, dass das einiges kostet." Für neue Originalteile, feinste Blechkorrekturen und viel Geduld kommen rasch mehrere tausend Euro zusammen. "Die sind eben jetzt in der Lage, endlich ihre Jugendträume zu verwirklichen", so der Vespa-Schrauber.

Jedoch sind die Roller von damals nicht so sicher wie die neueren Modelle. Zwar werde die gesetzlich vorgeschriebene Mindestverzögerung auch bei älteren Modellen erbracht. Dennoch sei ein neuer Roller sicherer, sagt Bert Korporal vom TÜV-Nord in Hannover. Ältere Roller haben Trommelbremsen, neue verfügen über Scheibenbremsen.

"Gerade bei Nässe sind Trommelbremsen oft schwieriger zu dosieren als das bei Scheibenbremsen der Fall ist", so der Sachverständige. "Auch kann der Laie bei einer Scheibenbremse besser erkennen, wann sie abgenutzt ist. Bei einer Trommelbremse hingegen sind die Bremsbacken in der Trommel für den Laien unsichtbar." Zudem werde jedes Material irgendwann müde. Daher sei ein neuer Roller sicherer als einer, der zum Beispiel 20 Jahre oder mehr auf dem Buckel hat.

Kauf- oder Techniktipps für Vespas gibt es aber nicht nur in Werkstätten oder bei den Treffen der deutschen Vespaclubs, sondern auch im Internet. In Chat-Foren können auch Neulinge auf dem Gebiet ungeniert fragen, worauf man denn achten sollte beim Kauf eines Rollers, wie man eigentlich am besten an einen Vergaser 'rankommt oder wo es noch Weißwandreifen zu kaufen gibt.

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