Der Nachfolger von Trainer Schlünz muss durchgreifen
Ende der Gutmütigkeit bei Hansa Rostock

Ein neuer Trainer soll noch in dieser Woche eingestellt werden. Es sind die üblichen Namen, die jetzt genannt werden. Doch wer immer es macht, klar ist: Der Nachfolger von Juri Schlünz muss durchgreifen.

ROSTOCK. Die Einschätzung des Herrn Professors war mutig formuliert. Horst Klinkmann, der neben dem akademischen Grad auch noch die Bürde trägt, Aufsichtsratsvorsitzender bei Hansa Rostock zu sein, hatte im Programmheft verkündet: "Die Rahmenbedingungen, dass unser Verein auch auf Dauer eine feste Größe in der Bundesliga bleibt, sind sehr gut." Er warb mit diesen Worten für die Wahlen zum Hansa-Aufsichtsrat.

Indes: Ein Blick auf die Tabelle verrät, dass die Rahmenbedingungen im sportlichen Bereich alles andere als gut sind. Nach dem 0:6 am Sonntag im Ostseestadion gegen den Hamburger SV, der siebten Heimniederlage in Folge, steckt der Klub am Tabellenende fest. Und wie sich die Mannschaft gegen den HSV präsentierte, das stimmte auch Manfred Wimmer äußerst nachdenklich: "Seit ich Vorstandsvorsitzender bin, war es noch nie so schlimm. Wie kann man den Gegner nur so einfach zu Toren kommen lassen?"

Trainer Juri Schlünz bot sofort nach Spielende seinen Rücktritt an. Eine kurze Beratung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat reichte, um den Entschluss zu akzeptieren. Ein neuer Trainer soll noch in dieser Woche eingestellt werden. Es sind die üblichen Namen, die jetzt genannt werden: Frank Pagelsdorf und Jürgen Röber etwa. Egal, wer Rostock künftig trainiert: Der Mann wird Baustellen vorfinden, für die schwerstes Gerät erforderlich ist. Die Mannschaft kickt fahrig, ohne Selbstvertrauen, das Zweikampfverhalten verdient diesen Namen nicht, dem Mittelfeld fehlen Ideen. Und der Sturm? Seit sich Martin Max, der in der vorigen Saison 20 Tore erzielt hat, ins Privatleben zurückgezogen hat, schaffte Hansa in 13 Saisonspielen erst zehn Treffer.

Dem Klub droht nach zehn Jahren ununterbrochener Erstklassigkeit der Abstieg. Daran trägt auch Schlünz Schuld. Er hat in seiner gutmütigen Art zu oft versäumt, auch mal deutlich seine Meinung zu sagen. So verlieh er seiner Forderung nach gleichwertigem Ersatz für Max nicht genügend Nachdruck. Hansa konzentrierte sich darauf, den Ex-Schalker Victor Agali zu holen. Der Transfer platzte, weil Agali ein Engagement bei OGC Nizza vorzog.

Auch seinen Spielern gegenüber war Schlünz oft zu brav. Ihm muss aber zugute gehalten werden, dass er sich nie ins Amt gedrängt hat. Er musste erst dazu überredet werden, Cheftrainer bei Hansa Rostock zu werden. 401 Tage später hat er den Job wieder abgegeben. Sein Kumpel aus gemeinsamen Rostocker Zeiten, der HSV-Trainer Thomas Doll, sagte: "Mitleid braucht Juri nicht, dazu ist er zuviel Kerl und Mensch, der steht wieder auf." Ob aber auch Hansa noch mal aufsteht?

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