Der Name des Verpackungsproduzenten soll vollständig verschwinden
Schmalbach-Lubecca: Abgehakt

E.On und Allianz versuchen noch bis zum Herbst, ihre Verpackungsbeteiligung ganz loszuwerden.
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DÜSSELDORF. Bisher war der Amcor-Konzern aus Melbourne ein großer Unbekannter in Deutschland. Lediglich im rheinischen Viersen, im niedersächsischen Rinteln und in Hochheim bei Frankfurt betreibt das australische Unternehmen (3,1 Milliarden US-Dollar Umsatz, 131 Millionen Dollar Gewinn, 23000 Beschäftigte) kleinere Fabriken mit je 200 Mitarbeitern. Dort werden Aluminiumfolien für Reemtsma-Zigarettenschachteln gepresst.

Jetzt kommen für den ausschließlich an der australischen Börse notierten Konzern weltweit auf einen Schlag 48 Werke und 6700 Mitarbeiter hinzu, 770 davon in Deutschland. Die Australier erwerben von der E.On-Beteiligung Schmalbach-Lubeca für 1,7 Milliarden Euro das Geschäft mit Plastikflaschen (PET) und Verschlüssen, zum Beispiel für Marmeladengläser. Mit dem Geld tilgt Schmalbach Schulden in Höhe von einer Milliarde Euro. 700 Millionen Euro gehen an die Gesellschafter E.On (49 Prozent) und Allianz Capital Partners (51 Prozent).

Auch wenn Schmalbach-Lubeca-Chef Hanno Fiedler beteuert, dass er die Reste des Unternehmens - das Geschäft mit den Bierdosen - weiterführen will, ist die nächste Bieterrunde schon im Gang. Bis zum Herbst soll Schmalbach-Lubeca ganz verkauft sein. Der Name soll verschwinden.

Die PET-Flaschen-Produktion war der lukrativste und größte Teil (Zweidrittel des Umsatzes), den die Schmalbach-Gesellschafter losschlugen. Die Australier steigen nun in das am schnellsten wachsende Segment des deutschen Verpackungsmarktes ein. Der Anteil der umweltfreundlichen PET-Flaschen an den Getränkeverpackungen betrug 1998 noch zwölf Prozent. Im vergangenen Jahr lag der Anteil bereits deutlich über einem Drittel (siehe Grafik). "Die Kunden greifen weniger zu den Glasflaschen, sondern bevorzugen die leichten PET-Gebinde", sagt Mike Bähren von der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke. Mit der Übernahme wird Amcor - nach dem US-Anbieter Crowne Cork & Seal - zum zweitgrößten Verpackungsproduzent der Welt. Schmalbach hat als europäischer Marktführer bei PET-Flaschen einen Marktanteil von "weit über 20 Prozent" (Fiedler), bei Vakuumverschlüssen (Saftdeckel) sogar einen Marktanteil von 50 Prozent. Fiedler: "Amcor will auf diesen Märkten weiter wachsen."

Der Deal ist für Amcor ein Quantensprung auf dem Weg zum internationalen Konzern, der auf eine lange Tradition zurückblickt. Bereits 1860 hatte der englische Einwanderer Samuel Ramsden in Melbourne eine Papiermühle gegründet, die sich im zwanzigsten Jahrhundert zum größten australischen Papierkonzern mauserte. Als in den Achtzigerjahren die Papierpreise in den Keller fielen, gaben sich die Australien Paper Manufacturers (APM) ein neues Gesicht. Der sperrige Name APM wurde durch Amcor ersetzt. Dann verkauften die Aktionäre das Papiergeschäft, um sich auf die Verpackung zu konzentrieren. 53 Prozent der Aktionäre sind institutionelle Anleger. Der Rest ist Streubesitz.

Seit dem Strategiewechsel kauft sich Amcor-Chef Russel Jones, ins Verpackungsgeschäft ein. Vergangene Woche wurde der 56-jährige im Konferenzzentrum des Londoner Flughafens Heathrow mit Schmalbach-Chef Fiedler über die PET-Flaschen einig - "nach einem sechsmonatigen Verhandlungsmarathon", so Fiedler. Die Aus-tralier verschmähten aber die Dosen. Dieser Markt wächst in Deutschland jährlich nur um 14 Prozent. Zu wenig für Amcor.

Die Deutsche Bank vermittelte die Transaktion, "war aber nur Trauzeuge, die Ehestifter waren wir", sagt Fiedler. Für die Dosen bleiben drei Anbieter übrig, die im Verpackungsmarkt bisher als Hauptwettbewerber für Schmalbach auftraten. Der britische Rexam-Konzern hat aber mit eigenen Problemen zu kämpfen, ebenso die US-Gruppe Crowne Cork & Seal. Mit dem US-Dosenproduzenten Ball ist Fiedler bereits in Kontakt - "aber längst nicht in der konkreten Phase wie bei Amcor" (Fiedler). Wenn E.On und Allianz ihre Vorstellungen realisieren (700 Millionen Euro), ist der Fall Schmalbach-Lubeca abgehakt. Fiedler könnte sich seinen noch bis 2005 laufenden Vertrag dann vorzeitig auszahlen lassen - und in Pension gehen.

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