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Der Neuaufbau von Real Madrid beginnt

Die große Zeit des Arrigo Sacchi gehört längst der Vergangenheit an. Aber nun soll der glatzköpfige Italiener beim kriselnden spanischen Fußballrekordmeister Real Madrid die Weichen für die Zukunft stellen.

dpa MADRID. Die große Zeit des Arrigo Sacchi gehört längst der Vergangenheit an. Aber nun soll der glatzköpfige Italiener beim kriselnden spanischen Fußballrekordmeister Real Madrid die Weichen für die Zukunft stellen.

Der 58-jährige Ex-Trainer, der mit dem AC Mailand 1989 und 1990 den Europacup gewonnen hatte und 1994 mit Italien Vizeweltmeister geworden war, soll bei den "Königlichen" den Posten eines Generalmanagers bekommen.

Die Verhandlungen zwischen Real und dem Italiener seien praktisch abgeschlossen, berichtete die spanische Presse übereinstimmend. Der Real-Vorstand werde die Verpflichtung noch offiziell bekannt geben. "Bei Real beginnt die Ära Sacchi", titelte das Sportblatt "Marca".

Als Trainer hatte Sacchi den Ruf eines Revolutionärs: Er verhalf dem italienischen Fußball, der jahrzehntelang vom Sicherheitsdenken geprägt war, zu einer offensiveren Spielweise. An Stelle des "Catenaccio" predigte er die Raumdeckung und ein beherztes Angriffsspiel. Bei Real Madrid wird von ihm, wenn sich die Verpflichtung bestätigt, nun erneut Revolutionäres erwartet: Er muss das als überaltert und übersättigt geltende Team um Ronaldo, David Beckham und Zinedine Zidane von Grund auf verjüngen.

Der neue Generalmanager soll nicht nur neue Stars und Talente verpflichten. Er müsste auch dem einen oder anderen der hoch bezahlten "Galaktischen" den Laufpass geben. Die Zeitung "El País" brachte die selbstgefällige Spielweise der Madrilenen kürzlich auf den Nenner: "Real erinnert an ein Zimmer, das längere Zeit nicht gelüftet wurde." Eigentlich hatte Sven-Göran Eriksson als Favorit für die Position des "starken Mannes" gegolten. Aber der Schwede ist als englischer Nationaltrainer bis 2008 vertraglich gebunden.

Mit Sacchi erhält Reals umstrittener Trainer Mariano García Remón einen "Aufpasser" vor die Nase gesetzt. Der Italiener selbst will nicht ins Traineramt zurückkehren. Aber die Presse in Spanien und Italien spekuliert bereits darüber, wer Sacchis Favorit für den Trainerposten bei Real in der kommenden Saison ist: Carlo Ancelotti, Coach des AC Mailand und noch bis 2006 an den Club gebunden.

An Madrid dürfte Sacchi keine guten Erinnerungen haben. Vor knapp sechs Jahren war er bei Atlético gescheitert und hatte entnervt seinen "endgültigen Abschied" vom Profi-Fußball verkündet. Er wurde dann aber rückfällig und ließ sich 2001 vom AC Parma anheuern. Dort erklärte er nach drei Wochen seinen Rücktritt, weil er "dem Stress gesundheitlich nicht gewachsen" war.

Nun steht ihm bei Real mit dem Neuaufbau neuer Stress bevor. Bislang gibt Sacchi sich noch zurückhaltend. Spanischen Journalisten beschied er freundlich am Telefon: "Ich kann Ihnen noch nichts sagen. Aber ich wünsche Ihnen Frohe Weihnachten."

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