Der neue Advance-Bank-Chef hat eine schnelle Auffassungsgabe
Martin Blessing: Ein Mann tritt aus dem Schatten

Seine Familie ist auf Topjobs im Bankgewerbe abbonniert - der Großvater Bundesbanker, der Vater Deutsche-Bank-Vorstand. Jetzt wird der 37-Jährige Chef der Advance Bank.

HB FRANKFURT. Kommt die Sprache auf die Direktbank-Tochter der Dresdner Bank, huscht ein schelmisches Lächeln über das Gesicht von Martin Blessing. Wenn ihr wüsstet, könnte der Betrachter dieses Lächeln deuten. Kein Zweifel: Da sitzt ein Mann, der auf eine neue Aufgabe brennt. "Ich freue mich auf die Herausforderung", sagt Blessing, seit dem 1.10.2000 neuer Vorstandssprecher der Advance Bank.

Blessing übernimmt in der Tat keine leichte Aufgabe, denn die Advance Bank zählt nicht zu den Marktführern in Deutschland. Böse Zungen behaupten gar, sie habe manche Entwicklung verschlafen. Nur 20 000 neue Kunden konnte das Institut von Januar bis Juni 2000 hinzugewinnen. Beängstigend wenig im Vergleich zu den Konkurrenten href="http://www.comdirect.de" target="_blank"> Comdirect mit 325 000 oder Consors mit 250 000 Neuzugängen im selben Zeitraum.

Doch Blessing lässt sich nicht bange machen. " Ich fühle mich als Unternehmer und will etwas bewegen", spornt er sich selber an. Zudem hat er auf seinem neuen Posten die Chance, aus der entsprechenden Enge eines Großkonzerns auszubrechen. "Es ist einfacher um Vergebung zu bitten, als um Erlaubnis zu fragen", sagt er.

Blessing glaubt an das Konzept des internetbasierten Anlagegeschäfts. "Das ist einer der Wachstumsmärkte der Zukunft". Die Basisdaten für eine erfolgreiche Zukunft der Advance Bank seien ebenfalls gut: Die Aktienkultur in Deutschland steige ebenso wie die Notwendigkeit, für das Alter privat vorzusorgen. Und die Direktbank-Kunden der zweiten Welle suchten zunehmend wieder den persönlichen Kontakt eines Beraters. "Die Entwicklung läuft voll in Richtung der Advance Bank. Und diese ist attraktiv genug, daraus Kapital zu schlagen."



Jeder Tag ist ein "casual friday"

Was sich unter seiner Führung alles ändern wird, das will Blessing freilich noch nicht verraten. Mit einer Ausnahme: "Ab sofort ist bei der Advance Bank jeden Tag casual friday", kündigt der neue Chef an. Was nichts anderes bedeutet, als dass er den Krawattenzwang abschafft. Zumindest outfit-mäßig liegt der Vater von zwei Töchtern damit voll im Trend der Branche.

Bei allem Tatendrang, der sich auch in täglichem Joggen äußert, ein Träumer ist Blessing nicht. Er weiß ziemlich genau, was er will und was er nicht will. Kollegen beschreiben ihn als zielorientiert und offen. Ein zweijähriger Aufenthalt in den USA hat ihn geprägt. Auf die Frage, was seine berufliche Entwicklung beeinflußt habe, antwortet Blessing: "Die Frisörfrage". Als Berater und späterer Partner der Unternehmensberatung McKinsey habe er gelernt: "All das, was man einem unbeteiligten Dritten nicht überzeugend erklären kann, kann man auch nicht entscheiden."

Zu seinen Stärken zählt die schnelle Auffassungsgabe. Nach dem Abitur machte der gebürtige Bremer eine um ein Jahr verkürzte Lehre bei der Dresdner Bank. Dann schloss er in nur sechs Semestern sein Studium der Betriebswirtschaftslehre an den Universitäten Frankfurt und St. Gallen ab. Zwei Jahre später hatte er auch noch den MBA der University of Chicago in der Tasche. Was macht man mit einer solchen Vita? Na klar, man geht zu einer Unternehmensberatung. Folgerichtig trat Blessing seinen ersten Job 1989 bei McKinsey an, wo er sich hauptsächlich mit Finanzdienstleistungen beschäftigte. Im Januar 1997 kehrte er zurück zur Dresdner Bank, die er nun als Leiter des Geschäftsbereichs Privatkunden und Vermögensberatungskunden in Richtung München wieder verlässt.



Neues Profil für die Advance Bank

Auf seine berühmten Vorfahren wird Blessing nicht so gerne angesprochen. "Da wird man schnell in eine Schublade gepackt." Sein Großvater Karl Blessing ist der ehemalige Bundesbankpräsident, Vater Werner Blessing saß im Vorstand der Deutschen Bank. Als Last empfindet Martin Blessing diese Abstammung nicht, er will aber mehr sein als bloß Sohn oder Enkel. Blessing, Liebhaber von Architektur und Kunst, ist fest entschlossen, sich und der Advance Bank ein neues Profil zu geben. Frei nach seinen Lebensmotto: "Keine Chance hat man immer."

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