Der neue BT-Chairman Christopher Bland hält sich selbst für herrschsüchtig
Neuer BT-Chairman: Letzter Kampf des alten Haudegens Christopher Bland

Seit gestern ist Bland, der in diesem Monat 63 wird, neuer Chairman von British Telecom. Das Amt gilt als eines der wichtigsten und schwierigsten in der britischen Wirtschaft.

Dem Schicksal hat er bereits ein Schnippchen geschlagen. "Normalerweise", ulkt Sir Christopher Bland, "stirbt man als Chairman von BBC, oder man wechselt rechtzeitig ins House of Lords." Doch der Mann, der in diesem Monat 63 wird, hat sich für einen dritten Weg entschieden: Ende April hat Bland sein Amt beim britischen Staatssender aufgegeben und zum 1. Mai Sir Iain Vallance als Chairman von British Telecom (BT) abgelöst.

"Das ist meine größte und letzte Herausforderung", erklärt Bland, der 1960 als Mitglied der irischen Fecht-Nationalmannschaft an der Olympiade in Rom teilnahm. Er merke schon, wie sein "Adrenalinspiegel steigt". In Anspielung an seine sportliche Vergangenheit und seine Zeit bei dem irischen Panzerregiment Royal Inniskilling Dragoon Guard wird der neue BT-Chairman - der Job ist vergleichbar mit dem eines Aufsichtsratsvorsitzenden und einer der schwierigsten und wichtigsten in der britischen Wirtschaft - von der Presse als "tough" (hart) und als "bruiser" (Zerstörer) bezeichnet. Eine Gazette zeigte ihn gar als muskelprotzende Arnold-Schwarzenegger-Montage.

Keinen Eindruck machte die Berufung des alten Haudegens auf die Börse. Obwohl der Markt seit Monaten Veränderungen an der Spitze des finanziell schwer angeschlagenen ehemaligen Staatsmonopolisten gefordert hatte, sank der Kurs der BT-Aktie nach Blands Berufung deutlich. Seitdem bewegt sich das Telekompapier kaum.

Zu alt und ohne Erfahrung

Ein Analyst brachte die Bedenken der Börsianer auf den Punkt: "Sir Christopher ist zu alt, hat keine Erfahrungen mit Übernahmen und Börsengängen und ist auch kein Experte in der Telekommunikation." Und so ein Mann soll nun die Probleme des Telekomriesen lösen, der eine Schuldenlast von umgerechnet mehr als 90 Milliarden Mark mit sich herumschleppt? Gleichwohl: Ein paar Vorschusslorbeeren hätte der in Japan geborene Sohn eines nordirischen Öl-Ingenieurs, der nach einer klassischen englischen Internatsausbildung den Sprung nach Oxford schaffte und dort neuere Geschichte studierte, schon verdient: In den achtziger Jahren gelang es Bland, eine kurz vor der Pleite stehende Druckerei erfolgreich zu sanieren.

Die Lösung der Schuldenfrage von BT hat für Bland absolute Priorität. Er will eine Kapitalerhöhung durchsetzen, durch die mindestens 15 Milliarden Mark eingenommen werden sollen. Dass das eigentlich eine Zumutung für die frustrierten Aktionäre ist, weiß Bland. Schließlich stürzte der BT-Kurs in den vergangenen 18 Monaten von 15 Pfund auf 5 Pfund ab.

Doch ihm bleibt keine andere Wahl: Unzählige Möglichkeiten hat das BT-Management schon durchgespielt, um die Krise in den Griff zu bekommen. Doch entschieden wurde nichts. Dieses Vakuum wird Sir Christopher mit Sicherheit füllen. Er selbst bezeichnet sich als "bossy", als herrschsüchtig. "Bland fordert das Management sehr und hat die Fähigkeit, einen Wust von Problemen auf zwei, drei wesentliche Aspekte zu reduzieren", urteilt ein einstiger Weggefährte.

Kritik an den Entscheidungen des BT-Managements hat sich Bland bislang verkniffen. Mit einer Ausnahme: Er hält die vier Milliarden Pfund schwere Investition für die neue Mobilfunklizenz in Großbritannien für einen Fehler. "Aber im Nachhinein ist man ja immer klüger", gibt sich Bland milde.

Für einen großen Vorteil halten es Beobachter, dass Bland als BBC-Chairman Erfahrungen im Umgang mit staatlichen Institutionen gesammelt hat. Das sieht Bland ganz anders. "Ich bin wegen meiner Manager-Qualitäten ins Gespräch gebracht worden", sagt er selbstbewusst. Dass er kein Telekom - Experte ist, hält er eher für einen Vorteil: "Ich habe keine verbaute Perspektive, nichts ist undenkbar."

Bland versteht es, auch aus Niederlagen Kapital zu schlagen: Als Chairman von LWT konnte er in den 90er-Jahren zwar nicht verhindern, dass die Londoner Fernsehstation von einem Konkurrenten übernommen wurde. Ihm selbst blieben Aktien im Wert von immerhin 40 Millionen Mark.

Geld ist es also nicht, was Bland, der ein Château in Frankreich besitzt, zur Annahme des mit 1,5 Millionen Mark vergüteten Jobs bei BT verleitet hat. Politisch steht er den konservativen Tories nahe, für die er im Londoner Stadtrat saß. Das hindert ihn freilich nicht daran, Labour-Anhänger zu seinen Freunden zu zählen - wie den Ex-Nordirland-Minister Peter Mandelson. Er wird wissen, wozu das gut ist.

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