Der neue Chef des ABB-Konzerns
Jörgen Centerman - Ein stilles Nordlicht

In der Öffentlichkeit ist er nahezu unbekannt. Im ABB-Konzern hat er sich als Chef der Automatisierungssparte bereits einen Namen gemacht. Jetzt soll Jörgen Centerman den Konzern für die neuen Technologiemärkte fit machen.

HB ZÜRICH. "Wer ist denn das?" Die Überraschung war perfekt, als am Mittwochmorgen bekannt wurde, dass der Chef des schwedisch-schweizerischen Konzerns ABB, Göran Lindahl, das Ruder zum Jahresende an seinen Landsmann Jörgen Centerman abgeben wird. Analysten, Banker und Industrievertreter kamen über ein Achselzucken nicht hinaus. Von dem 48-jährigen Centerman wusste kaum jemand etwas zu erzählen. "Der Nachname ist ein angenommener", mutmaßten sofort einige von ihnen.

Schon der Name ist ungewöhnlich

"Centerman - so heißt doch niemand in Schweden", lautete der einmütige Kommentar. In der Tat galt es in den sechziger und siebziger Jahren als schick, aus der breiten Masse der Svenssons und Perssons auzuscheren und sich mit einem neuen Namen zu schmücken. Aber Centerman? Eigentlich keine gute Alternative: So werden die männlichen Mitglieder der bäuerlichen Zentrumspartei bezeichnet.

Die Frage, ob Jörgen Centerman seinen Nachnamen geändert hat, bleibt unbeantwortet. Die ABB-Zentrale in Zürich und die Presseabteilung in Schweden, haben den Deckel draufgelegt. "Alles, was es über den neuen Chef zu berichten gibt, haben wir veröffentlicht", heißt es. Viel ist das nicht.

Centerman gilt als "treue Seele"

Der im südschwedischen Lund zum Ingenieur ausgebildete Centerman ist eine treue Seele. Das lernt man: Seit 1976 arbeitet er bereits bei ABB, war für den Konzern mehrere Jahre in Singapur, arbeitete zwei Jahre in Mannheim, war in den USA, Schweden und zuletzt in der Schweiz tätig. Dort, am Konzernsitz, leitet er seit zwei Jahren den umsatzstärksten Bereich, ABB Automation, und gehört der Konzernleitung an. "Ein treuer Arbeiter im Hintergrund", beschreibt ihn ein ABB-Insider.

"Jörgen ist wohl der untypischste Schwede in der Konzernleitung", sagt der gleiche ABB-Mann, der Centerman seit Jahren kennt. "Er ist sehr amerikanisch geprägt, zielorientiert und straight". Auf einer Pressekonferenz in Stockholm machte Centerman in der Tat den Eindruck, als hätte er sich schon länger auf die Übernahme der Konzernleitung vorbereitet. "Es ist immer möglich, noch Verbesserungen vorzunehmen", erklärte er selbstbewusst. Und sein bisheriger Chef Lindahl lächelte freundlich. Von einer Verstimmung in der Führungsetage bei ABB war nichts zu spüren.

Automatisierungstechnik auf Erfolgskurs gebracht

Als Trio trat man vor die Presse: Lindahl, sein Nachfolger Centerman sowie ABB-Aufsichtsratschef Percy Barnevik. Das Triumvirat spielte sich die Bälle zu und machte nicht den Eindruck, hier sei die Hackordnung durcheinander gebracht worden. Die Frage nach dem "Warum?" machte dennoch die Runde.

Lindahl, der die Konzernleitung vor vier Jahren von Percy Barnevik übernommen hatte, kämpfte zwar nicht wie sein Vorgänger um jedes Mikrofon, sondern brachte still den riesigen Mischkonzern auf neue Gleise. Schnell wurde die Automatisierungstechnik zum größten Bereich des Konzerns. Als Chef dieser Sparte erntete Centerman viele Lorbeeren.

Lindahl wird als neuer Aufsichtsratsvorsitzender gehandelt

Lindahl wird wohl dem Familienkreise erhalten bleiben. Die schwedische Dynastie Wallenberg, die bei ABB durch die Besetzung aller Topjobs seit Jahren das Sagen hat, wird für den 55-Jährigen neue Aufgaben finden. Nach Handelsblatt-Informationen kann Lindahl möglicherweise schon im kommenden Jahr den Aufsichtsratsvorsitzenden Barnevik ablösen, dessen Stern in den vergangenen zwei Jahren immer mehr gesunken ist.

Nicht zu vergessen: Wallenberg kontrolliert auch viele schwedische Unternehmen, die eventuell einen Erneuerer an der Spitze gebrauchen könnten. Der durch seine Handy-Probleme in die Schlagzeilen geratene Ericsson-Konzern zählt dazu. Und Lindahl sitzt dort bereits im Aufsichtsrat.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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