Der neue Chef dürfte sein Augenmerk auf die Integration zugekaufter Firmen richten: Sappi bleibt mit Hochglanzpapier auf Erfolgskurs

Der neue Chef dürfte sein Augenmerk auf die Integration zugekaufter Firmen richten
Sappi bleibt mit Hochglanzpapier auf Erfolgskurs

Für viele südafrikanische Unternehmen hat sich die Metamorphose zu einem internationalen Konzern als ein Hindernisparcours erwiesen.

KAPSTADT. Selbst wenn die Expansion ins Ausland gelingt, werden die Gesellschaften wegen ihrer afrikanischen Wurzeln oft mit einem markanten Abschlag gegenüber der Konkurrenz gehandelt.

Umso verblüffender ist es, dass der inzwischen stark globalisierte südafrikanische Papier- und Zellstoffproduzent Sappi bislang keine Veranlassung zur Umsiedlung gesehen hat; einige Gesellschaften vom Kap sind bereits nach London umgezogen, darunter zwei Bergbauhäuser und ein Brauereikonzern. Dass Sappi seine Hauptnotierung und seinen Firmensitz noch immer in der alten Goldgräberstadt Johannesburg hat, ist leicht erklärt: Südafrika biete, so Firmenchef Eugene van As, trotz vieler Probleme noch immer ein attraktives Geschäftsumfeld. Dass Sappi wegen seines Bleibens mit einem Abschlag gegenüber den internationalen Rivalen gehandelt wird, schließt van As nicht aus - doch das stört ihn offenbar nicht.

Dabei hätte gerade Sappi als Vorreiter der Globalisierung allen Grund, den Hauptsitz ins Ausland zu verlegen: Zahlreiche Zukäufe in Europa und in den USA haben die noch vor 15 Jahren auf Südafrika beschränkte Papierfirma zu einem global player gemacht, der heute 88% seines Gruppenumsatzes im Ausland erwirtschaftet; dabei entfallen fast 50% auf Europa. Die anhaltende Bedeutung Südafrikas wird daran sichtbar, dass es trotz seiner geringen Beteiligung am Gesamtumsatz (12%) fast ein Drittel zum Betriebsgewinn beisteuert.

Als Sappi 1990 erstmals im Ausland expandierte, stand Südafrika wegen seiner Apartheidpolitik noch unter Quarantäne. Doch das änderte sich rasch. Nach einigen Zukäufen in Europa, darunter Hannover Papier, machten die Südafrikaner 1994 mit dem Erwerb des US-Unternehmens SD Warren international auf sich aufmerksam. Drei Jahre später folgte der Kauf der holländischen KNP Leykamp, der Sappi hoch verschuldete. Seitdem ist es den Südafrikanern aber gelungen, den Schuldenberg von 2,6 Mrd. $ auf weniger als die Hälfte zu reduzieren. Die Zukäufe führten zu einem neuen Produktmix: Anders als die großen Konkurrenten aus Skandinavien und den USA spezialisierte sich Sappi frühzeitig auf die Produktion von Hochglanzpapier, wie es für Magazine verwendet wird, und ist in diesem Segment nun Marktführer. Hochglanzpapier gilt in den Industrieländern wegen der hier erzielten hohen Margen als ein lukrativer Wachstumsmarkt.

Wichtig ist für Sappi auch, dass dieses Marktsegment von nur fünf Produzenten dominiert wird. Im Gegensatz dazu werden die meisten anderen Sparten der Papierindustrie von vielen kleineren Produzenten geprägt, die Preiserholungen durch den unkoordinierten Ausbau der Kapazitäten oft im Keim ersticken. Zwar leidet Sappi wie alle andere Rohstoffkonzerne unter der Weltwirtschaftsflaute, dank der Strukturveränderungen in seinem Marktsegment aber weit weniger als früher.

Die Triebfeder hinter Sappis Expansion ist Eugene van As, der das Unternehmen seit fast 25 Jahre leitet, aber den Stab in diesem Monat an Jonathan Leslie weiterreichen wird. Für Sappi ist der Amtsantritt des bisherigen Leiters der Gold- und Diamantendivison der Bergbaugruppe Rio Tinto zwar ein tiefer Einschnitt. Aber es wird kaum damit gerechnet, dass Leslie vom Erfolgskurs seines Vorgängers abweichen wird. Er dürfte sein Augenmerk verstärkt auf die weitere Integration der zugekauften Firmen legen.

Der Erfolg von Sappi ist auch den Anlegern jenseits der Kap-Republik nicht verborgen geblieben. Inzwischen befinden sich rund zwei Drittel seiner Titel im Besitz ausländischer Investoren.

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