Der neue Großaktionär macht Druck
Das Zentrum der Krise

Heute legt Borussia Dortmund seine Bilanz vor. Die Kicker AG steht vor einem radikalen Strategiewechsel.

DÜSSELDORF/LONDON. Wer zum ersten Mal das Westfalenstadion betritt - sagen wir mal Osttribüne, Block 53, Reihe 16, Platz 13, also ganz schön weit oben -, dem kann es so gehen wie dem, der sich zum ersten Mal mit der wirtschaftlichen Situation der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA beschäftigt.

Ihm wird schwindelig.

Denn richtet der Besucher seinen Blick nach unten ins Betongeviert, bekommt er womöglich Furcht vor dem Absturz, so steil sind die Treppenaufgänge. 76 000 Menschen kommen im Schnitt zu den Heimspielen der Borussen, mehr kann kein anderer europäischer Club vorweisen. Blickt der Gast nach links, sieht er eine bedrohliche Wand aus Leibern und Transparenten, die Südtribüne mit 25 000 gelb-schwarz gewandeten BVB-Anhängern, die größte Stehplatztribüne Europas.

Wenn am heutigen Freitag Deutschlands einziger börsennotierter Fußball-Club seine Bilanz-Pressekonferenz abhält, wird mancher ein ähnliches Gefühl haben, eine Mischung aus Ehrfurcht und Höhenangst. Denn noch in diesem Jahr wird angesichts der angespannten Finanzlage eine Entscheidung fallen, die für den BVB zum Befreiungsschlag werden könnte - oder die völlige Abkehr vom bisherigen Geschäftsmodell bedeutet, vielleicht sogar der Anfang vom Ende, wie so mancher Experte fürchtet.

Die, die darüber zu befinden haben, heißen Gerd Niebaum und Michael Meier, tragen den Titel "Geschäftsführer", doch sind sie besser bekannt unter den Titeln, die sie schon in vorbörslicher Zeit innehatten: Präsident und Manager. Für die Fans gehören sie untrennbar zusammen, "Niemeier" nennt man das Duo. Die BVB KGaA ist ihr Geschöpf, ihre Vision, ihr Traum, den ehemaligen Arbeiterclub in die Sphären von Real Madrid oder wenigstens Bayern München zu führen. Und es ist ihr Golem, der Diener, der zum Fluch werden könnte.

"Die Bilanz-Pressekonferenz wird so viel spektakulär Neues nicht bringen", sagt Jurist Niebaum, dessen Kanzlei auch für den BVB arbeitet: "Die entscheidende Information ist doch schon draußen." 66 Millionen Verlust sind es, zwei Drittel davon kommen aus Abschreibungen.

Wer einen Rechtsbeistand sucht, der wünscht sich einen wie Niebaum. Erfahren, aber mit 56 nicht alt. Die blasse Haut mit den roten Flecken und seine blonden Haare weisen ihn als Westfalen aus, und dieser Menschenschlag kann bekanntlich zupacken. Ruhig bleibt er, auch wenn das Gesprächsthema kompliziert wird.

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