Der neue Investor soll die Wende bringen
Neustart bei WWL Internet

jgo DÜSSELDORF. "Wir sehen viel schrecklicher aus als einige Konkurrenten, sind aber schon weiter", sagt Stefan Mehler. Der Leiter für Investor Relations bei der börsennotierten Internetagentur WWL Internet hat harte Monate hinter sich. "Quartal 4 war rattenschlecht, Quartal 1 war schlecht, Quartal 2 wird besser", lautet seine Diagnose. Neue Investoren sind an Bord und haben der Agentur eine radikale Konzentration auf das Kerngeschäft verordnet. Von 385 Mitarbeitern sind noch 268 geblieben, und nicht alle Arbeitsplätze sind sicher. In der Hamburger Niederlassung "könnte es noch zu Entlassungen kommen", sagt Mehler.

Nur zwei Akquisitionen, schleppende Geschäfte und einige Abstecher in neue Geschäftszweige haben die seit Sommer 1999 börsennotierte Agentur aus der Bahn geworfen. "Als die Kurse durch die Decke gingen, haben wir uns eine neue Struktur gegeben, um die Chancen im Internet besser nutzen zu können, wie es damals hieß. Das war ein tragischer Fehler", erinnert sich Mehler. Ein neuer Bereich mit dem Namen "Vision to Products" sollte sogar etwas gänzlich Neues entwickeln: Internetbasierende Steuerungssysteme. "Bei der Vision ist es aber dann geblieben."

Nicht nur von diesem Zweig trennte sich WWL. Auch die teuer zugekauften Standorte in Bremen und in Lilienthal und die Niederlassung in Prag wurden aufgegeben. Die Beteiligung am Startup Trendscouts, das von der Vermittlung von Venture Capital an Gründer leben wollte, erwies sich als Totalausfall. Nach der Sanierung bleiben neben dem Hauptsitz in Nürnberg die Standorte Stuttgart, Köln und Berlin, Hamburg auch, aber sicher ist das noch nicht.

"Technisch waren wir gut, aber wirtschaftlich hatten wir keinen Erfolg", sagt Mehler. Abwegig ist das nicht. Immerhin ist der Quelle-Auftritt das Werk der Internetagentur. Das Versandhaus erzielt im Internet bereits beträchtliche Umsätze und ist für WWL nicht nur eine Referenz, sondern zugleich das größte laufende Projekt. Die Qualität der Arbeit erkannte offenbar auch der neue Investor, der Wagniskapitalgeber XL Venture, der von der Beisheim Holding kontrolliert wird. Den 8-Prozent-Anteil lässt sich der Investor 3,5 Millionen Euro kosten. Mehler sieht die Finanzspritze als Vertrauensvorschuss und gibt sich optimistisch. "Wir haben die Sanierung, die andere noch vor sich haben, bereits hinter uns. Jetzt müssen wir beweisen, dass wir das Vertrauen der Investoren verdienen." Die Aktie hat sich gegenüber dem Tiefsstand bereits mehr als verdoppelt - auf 2,20 Euro.

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