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Der Neue Markt lebt

Totgesagte leben länger: Weil die Selbstreinigungskräfte des Marktes funktionieren, erlebt das Segment der Wachstumswerte ein Comeback.

Der totgesagte Neue Markt lebt wieder in den Augen der Anleger. Das rasante Comeback beweist, dass das Wachstumssegment keine umfangreichen "Penny-Stock-Regelungen" braucht, um die Stimmung bei den Investoren zu verbessern. Die Selbstreinigungskräfte des Marktes reichen vollkommen aus.

Anderthalb Jahre lang herrschte Ausverkaufsstimmung bei den Wachstumswerten. Von März 2000 bis zum September fiel der All-Share-Index von rund 8 500 auf gut 700 Punkte. Je länger der Kursrutsch andauerte, desto mehr Einigkeit herrschte unter den Experten: Der Neue Markt wird sich nur dann erholen, wenn die insolventen Unternehmen und "Penny Stocks" aus diesem Segment verbannt werden. Neue Regeln wurden von der Deutschen Börse aufgestellt, die aber kaum greifen. Schließlich haben bereits über ein Dutzend der "Billig-Aktien"-Unternehmen dagegen erfolgreich geklagt.

Auf die Sprünge nach oben geholfen haben dem Markt aber nur die Regeln, die für alle offenen Märkte gelten. Wer kein tragfähiges Geschäft hat, der verschwindet in der Versenkung - so wie Gigabell, Kabel New Media, Refugium, Sunburst oder Teldafax. Und wer zu klein ist und keine Marktnische findet, um zu überleben, der muss frewillig oder zwangsweise fusionieren - so wie Focus Digital und Tomorrow Internet, Phenomedia und Feedback sowie bald Openshop und Usu AG.

Das Ende der Fahnenstange ist bei Pleiten und Fusionen aber noch längst nicht erreicht. Diese Selbstreinigungskräfte des Marktes werden nach Meinung von Experten bewirken, dass 50 bis 70 Unternehmen im nächsten Jahr vom Kurszettel verschwinden. Dass sollten Anleger nicht vergessen, wenn Sie in den Neuen Markt investieren. Auch wenn die Rally weitergeht: Nicht alle totgesagten Unternehmen werden lange leben.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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