Der neue Opel-Chef ist für seine Eloquenz bekannt
Carl-Peter Forster: Die neue starke Hand in Rüsselsheim

Schon seit Wochen hat er sich auf seinen neuen Job als Nachfolger von Robert Hendry an der Spitze der Adam Opel AG vorbereitet. Carl-Peter Forster soll den angeschlagenen Automobilhersteller aus der Krise herausführen.

HB RÜSSELSHEIM. Alle Hoffnungen ruhen auf dem neuen Mann: Mit Carl-Peter Forster als künftigem Vorstandschef der Adam Opel AG soll es bei dem Rüsselsheimer Automobilhersteller endlich wieder aufwärts gehen. Während sich die meisten anderen Autoproduzenten auf dem europäischen Markt in den vergangenen Jahren zumindest behaupten konnten, ging es mit der deutschen Tochter von General Motors (GM) immer weiter abwärts.

Ein Charakterzug könnte Forster dabei helfen, die Wende in Rüsselsheim zu schaffen. "Der Mann hat einen unglaublichen Ehrgeiz", sagt ein Vertrauter des 46-jährigen Automanagers. Eine extrem ausgeprägte Eloquenz sollte zudem dafür sorgen, dass er sich in den langwierigen, internen Verhandlungen mit der Konzernmutter GM behaupten kann. Für Forster sprechen auch dessen analytische Fähigkeiten und seine unumstrittenen Kenntnisse der Fertigungsprozesse in der Automobilindustrie. Außerdem steht er für eine gute Mischung aus Teamorientierung und Führungswillen.

Carl-Peter Forster wird aber noch aus einem anderen Grund mit einem warmen Willkommen in Rüsselsheim begrüßt werden: Endlich spricht der Opel-Vorstandschef wieder Deutsch. Robert Hendry, der auf der heutigen Sitzung des Aufsichtsrates sein Amt an der Spitze der GM-Tochter abgeben wird, hatte sich auch wegen seiner mangelnden Sprachkenntnisse immer mehr die Sympathien in der Opel-Zentrale verscherzt.

Der Amerikaner litt in Rüsselsheim zusehends unter seiner eigenen Isolierung. "Der Laden steht schon seit einem halben Jahr", kommentiert ein Insider die Führungsqualitäten des scheidenden Opel-Chefs Hendry.

Die Berufung Forsters könnte tatsächlich einen grundlegenden Wandel in Rüsselsheim auslösen. Mehr als zehn Jahre standen nacheinander ausschließlich Amerikaner an der Spitze des Automobilunternehmens. Die Ernennung eines Deutschen ist von GM immerhin ein kleines Eingeständnis dafür, dass nicht alle Forster-Vorgänger stets die nötigen Kenntnisse für den deutschen und den europäischen Automobilmarkt vorweisen konnten.

Fachlich ist der Ruf des künftigen Opel-Spitzenmannes unbestritten. Seine wichtigsten Erfahrungen sammelte der Diplomaten-Sohn (Geburtsort: London) bei BMW in München. Seine beste Zeit bei den Bayern hatte Forster als Chef des BMW-Werkes in Südafrika. So gut war sein interner Ruf, dass ihn der Vorstandsvorsitzende Joachim Milberg vor zwei Jahren als Produktionschef in den Vorstand des Münchener Automobilkonzerns holte. Doch dieses Bündnis währte nicht lange: Wegen anhaltender Meinungsunterschiede mit Milberg über den Kurs bei der damaligen Tochter Rover musste Forster schon nach einem Jahr gehen.

Die bei BMW üblichen Vertragsklauseln sind der Hauptgrund dafür, dass Forster erst jetzt - nach mehr als einem Jahr Pause - bei einem Konkurrenten eine neue Position annehmen kann. In den vergangenen Monaten hat er sich rar gemacht, ist geschickt in der Deckung geblieben und hat keine Interviews gegeben - obwohl seine Berufung schon länger sicher schien.

Erfolg oder Misserfolg Forsters hängen vor allem von einem entscheidenden Punkt ab: Opels Unabhängigkeit von General Motors. Im Vorfeld verlautete dazu aus Unternehmenskreisen, dass sogar GM-Konzernchef Richard Wagoner dem neuen Opel-Spitzenmann einen extrem weiten persönlichen Spielraum zugesichert habe. Allerdings werden erst die kommenden Monate zeigen, ob dies lediglich Worthülsen von der GM-Konzernführung aus Detroit sind oder dies tatsächlich der Realität entspricht.

Die ersten Zulassungszahlen für das neue Jahr könnten eine Tendenz zur Besserung bedeuten. Opel ist es sowohl in Deutschland als auch im restlichen Westeuropa gelungen, seinen Marktanteil zu steigern. Das sollte ein Hoffnungsschimmer für Forster sein, wenn er zum 1. April sein neues Amt in Rüsselsheim antritt.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%