Der neue Pepsi-Chef gilt als unerbittlich gegen sich selbst und gegen andere
Steve Reinemund: Der Captain mit der Wunderwaffe

Steve Reinemund ist zwei Monate früher als geplant zum Chef des US-Lebensmittelkonzerns gekürt worden. Mit neuen Produkten will er den Geschmack der trendigen Stadtbewohner treffen. Gemeinsam mit der Inderin Indra Nooyi bildet er das neue Traumpaar der US-Wirtschaft.

NEW YORK. Im Supermarkt packt er selbst mit an, damit die Chips am Heiligabend noch ins Regal kommen. Daran erinnern sich die Kollegen von Steve Reinemund noch heute. Damals war er noch Chef des Chips-und Bretzel-Herstellers Frito-Lay, der größten Pepsi-Tochter. Diese Woche ist Reinemund zum neuen Vorstandsvorsitzenden des amerikanischen Getränke- und Lebensmittelkonzerns Pepsico ernannt worden.

Roger Enrico, der scheidende Pepsi-Chef, nahm die Jahreshauptversammlung zum Anlass, seinem Nachfolger zwei Monate früher als geplant den Stab zu übergeben. Kein schlechter Start für den neuen Chef, hatten doch die Aktionäre gerade die 14 Milliarden-Dollar-Übernahme des Müsli-Herstellers Quaker Oats abgesegnet und hatte der Konzern zum sechsten Mal in Folge einen Gewinnzuwachs von mehr als 10 Prozent bekannt gegeben. Als erste Handlung im neuen Amt konnte Reinemund, der stets so aussieht, als sei er auf dem Weg zum Foto-Shooting für ein Herrenmode-Magazin, den Aktionären eine höhere Dividende verkünden.

Ein schweres Erbe

Ganz so angenehm dürfte der zukünftige Job nicht werden für den neuen Pepsi-Chef. Er muss zeigen, dass er den Erfolgskurs seines Vorgängers halten kann. Mit der Übernahme von Quaker Oats, die die Kartellbehörden noch genehmigen müssen, wird der Umsatz 25 Milliarden Dollar betragen und Pepsi zum weltweit fünftgrößten Getränke- und Snack-Konzern aufsteigen.

Der 53-Jährige muss nicht nur Quaker Oats, das neben Müsli und Haferflocken vor allem das beliebte Sportgetränk Gatorade mit ins Pepsi-Portfolio bringt, in den Konzern integrieren. Er wird sich künftig außer mit dem Erzrivalen Coca-Cola auch mit Lebensmittelriesen wie Kraft messen müssen. Der Erfolg wird vor allem von neuen, innovativen Produkten abhängen.

Reinemund will die trendigen Städter stärker für die Pepsi-Produkte begeistern. "Wir sind ein sehr gutes vorortorientiertes Marketing-Unternehmen", sagt Reinemund über Pepsico, "aber es gibt riesige Möglichkeiten in den Innenstädten". Dort könnten Produkte wie das esoterisch-asiatisch angehauchte Sobe-Getränk junge, zahlungskräftige Leute anlocken. Um diese Zielgruppe besser zu verstehen, will Reinemund auch das Management bunter gestalten: mit mehr Vertretern von Minderheiten und mehr Frauen.

US-Medien sprechen vom neuen Traumpaar der Unternehmenswelt

Ein Schritt in diese Richtung ist die Ernennung von Indra Nooyi, die in Indien geboren wurde, zur Nummer zwei. Sie ist schon jetzt Finanzchefin von Pepsico und wird dies auch bleiben. Reinemund soll auf die Ernennung der für ihr strategisches Denken bekannten Nooyi bestanden haben. Schon berichten US-Medien begeistert vom neuen Traumpaar der amerikanischen Unternehmenswelt: Nooyis Blick für das Gesamtbild und die Branchenerfahrung von Reinemund gelten als perfekte Kombination.

Der ehemalige Captain der Elite-Truppe der US-Marine-Corps hat bei Pepsico nach seiner Station bei Frito-Lay zunächst das Pizza-Geschäft des Konzerns neu organisiert: Als er 1984 zu Pizza-Hut kam, entschied er, dass das Unternehmen in das schnell wachsende Pizza-Taxi-Geschäft einsteigen sollte, das damals von Domino?s Pizza dominiert wurde. Die Manager, die die Idee als unwürdig zurückwiesen, wechselte er aus, und drei Jahre später war Pizza-Hut die Nummer eins auf dem Markt der Pizza-Zustellung.

Später, bei Frito-Lay, verhalf er dem Verkauf von Snacks zu neuen Höhen. Dabei ist Reinemund unerbittlich gegen sich selbst - und manchmal auch gegen andere. Es ist keine Seltenheit, dass er einen Manager auch an einem freien Tag anruft, wenn ein Supermarkt, in dem Reinemund gerade einkauft, die Chips oder Pepsi-Cola nicht auf Lager hat.

Fit für den Marathon

"Mancher mag sagen, dass er Leute ausbrennt", sagte Alan Feldman, ein ehemaliger Mitarbeiter, der diese Woche zum Chef für das Nord- und Südamerikageschäft von McDonald?s ernannt wurde, über seinen damaligen Chef. Er hat acht Jahre für Reinemund gearbeitet und sagt, er sei dankbar für die Erfahrung.

Der als reserviert geltende Vater zweier erwachsener Söhne und eines adoptierten Zwillingspaars, der seine Kinder stets auf Geschäftsreisen mitnahm, hat in der Vergangenheit stark an seinen kommunikativen Fähigkeiten gearbeitet. Fit hält sich Reinemund vor allem mit Laufen. Den New-York-Marathon absolvierte er voriges Jahr in etwas mehr als vier Stunden.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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