Der neue Smart ForTwo: Tumminellis Designkritik: Let Smart be

Der neue Smart ForTwo
Tumminellis Designkritik: Let Smart be

Neun Jahre nach Markteinführung wurde der Smart grundlegend überarbeitet. Die Autobauer wollen auf diese Weise die Zukunft der cleveren Marke sichern. Gesehen, gefahren, kritisiert.

Einen günstigeren Zeitpunkt hätte sich Autobauer Smart für den Start seines neuen Zweisitzers kaum erhoffen können. Während Journalisten in Madrid den neuen Smart live erleben, blickt der Rest der Welt wie gebannt auf die neuen Hiobsbotschaften der neuen Klimastudien. Als ob das Automobil alleine daran schuld sei, bittet sogar Kanzlerin Merkel alle Welt darum, langsamer zu fahren.

Wie die Debatte über Feinstaubemissionen zeigt, liefert ein plötzlicher Öko-Aktionismus keine Lösungen, sondern hat eher eine katastrophale Wirkung auf unser Lebensklima. Man fragt sich, warum das Problem nicht schon 1913, 1983 oder 2001 diskutiert und gelöst worden ist – in all den Jahren war der Winter so warm wie der jetzige. Beziehungsweise, warum die Industrie nicht innovativere Automobilkonzepte statt dicker Schiffe zu bieten hat. Eine Studie von Markus Umierski an der RWTH Aachen zeigt die Korrelation zwischen Fahrzeuggewicht und CO2-Emissionen. Wären unsere Autos noch so leicht wie vor 20 Jahren, gäbe es – zumindest was das Auto angeht – kaum Umweltprobleme.

Es lebe also der Smart, das konkurrenzlos kleine Auto, das zumindest im relativen Sinne ein wahres Leichtgewicht ist. Zwar ist das neue Modell um 195 Millimeter gewachsen, dafür wiegt es einen Zentner weniger, was man als einmaligen Fortschritt bezeichnen kann.

Als Dieselversion konkurrenzlos sparsam und emissionsarm, hat das immer noch Fortwo genannte Miniauto die richtigen Karten, um als Ökovorbild weltweit zu brillieren. Kommt die seit Ewigkeiten gewünschte Elektroversion irgendwann auf den Markt, dann ist dem Smart mangels Wettbewerb eine rosige Zukunft gesichert.

Daher versteht man die ewige Rechtfertigungsdiskussion über den Smart nicht – von dem immerhin gut 750 000 Exemplare verkauft wurden. Dicke vollwertige Autos gibt es viele, vom kleinen Smart nur eins, take it or leave it.

Ähnliches könnte man vom Smart-Design sagen. Die ursprüngliche Alessi-meets-Schwarzwald-Ästhetik hat Chefdesigner Sinkwitz gekonnt aufpoliert, die Proportionen verbessert – bis auf die unverzichtbare Fußgängerschutz-Nase, stilistische Achillesferse eines jeden neuen Automobils. Trotzdem bleibt der Neue unverkennbar ein Smart.

Man fragt sich, ob tatsächlich 95 Prozent der Bauteile erneuert werden mussten. Strategisch hätte man auch anders vorgehen können: Der gute alte Henry Ford hätte zum Beispiel gar nichts verändert, den Preis dafür spürbar gesenkt und den kleinen Flitzer schneller zu dem Millionenerfolg gemacht, den er zu Recht verdient.

Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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