Der neue stellvertretender Lufthansa-Chef
Der Kronprinz tritt aus dem Schatten

Wer in Gottes Namen ist Wolfgang Mayrhuber? Der Lufthansa-Vorstand, der an diesem Montag zum Vize-Chef der Fluggesellschaft aufrückt, blieb bisher wie kein anderer Topmanager im Windschatten von Vorstandschef Jürgen Weber verborgen.

BERLIN. Der Technik-Experte leitet zwar seit gut einem Jahr die größte Lufthansa-Sparte Passagiere mit 30 000 Beschäftigten in Cockpit, Kabine und am Boden. Er gilt aber als der nach außen unauffälligste Mann im Konzernvorstand.

Selbst Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig ist der Name Mayrhuber nicht wirklich geläufig. "Herr Mayrhofer", rutschte es dem SPD-Politiker noch vor kurzem heraus. Doch mit derartigen Verwechslungen dürfte es bald vorbei sein. Denn der 55-Jährige wird mit der Ernennung zum stellvertretenden Vorstandschef offiziell als Webers Kronprinz inthronisiert, der ihn spätestens Ende kommenden Jahres beerben soll.

In der Frankfurter Zentrale der Airline ist sein Karrieresprung keine Überraschung. Denn kaum ein Lufthansa-Manager verbindet so viel mit Weber wie Mayrhuber. Der Maschinenbauingenieur gehört seit 32 Jahren zum Unternehmen - fast so lange wie Weber. Er startete seine Karriere wie Weber im technischen Bereich in Hamburg. Beide absolvierten das Managementtraining am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Beide wohnen in Hamburg. Beide sind Ingenieure.

Spätestens seit Anfang der neunziger Jahre arbeiten sie eng zusammen. So stand der gebürtige Österreicher Mayrhuber dem gebürtigen Schwaben Weber als Leiter des Sanierungsteams zur Seite, als der Lufthansa die Insolvenz drohte.

Weber gilt denn auch als derjenige, der den Aufstieg Mayrhubers zum Vorstandsvorsitzenden von Lufthansa Technik und in den Konzernvorstand förderte. Mayrhuber wird im Gegenzug bedingungslose Loyalität gegenüber seinem Chef zugeschrieben. Die beiden Männer sind eng befreundet.

Ein großer Kurswechsel ist darum vom neuen Mann an der Spitze nicht zu erwarten. "Die Entscheidung wird als Zeichen der Kontinuität bewertet", lieferte Mayrhuber bei seinem ersten Auftritt vor den Mitarbeitern gleich selbst den Kommentar zu seiner Ernennung.

Mit der frühen Entscheidung für den hochgewachsenen Manager mit dem leicht gelockten Haar sollte ein Schlussstrich unter die Spekulationen um die Weber-Nachfolge gezogen werden. Doch Mayrhuber, der vergangenen Freitag seinen 55. Geburtstag feierte, muss künftig den Eindruck zerstreuen, er sei nur eine Übergangslösung. Nach einem ungeschriebenen Lufthansa-Gesetz sollte ein Vorstandsmitglied mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen.

Mayrhuber könnte darum nur eine Amtszeit lang kandidieren, wenn ihm Weber schon zur Hauptversammlung im Juni 2003 den Steuerknüppel überlässt. Danach könnte der Weg für Stefan Pichler, den wesentlich jüngeren Chef der Lufthansa-Karstadt-Tourismustochter Thomas Cook, frei sein - falls dieser bis dahin keine entscheidenden Fehler macht.

Aber vorher muss Mayrhuber, den Mitarbeiter als freundlich und verbindlich bezeichnen, Europas zweitgrößte Airline nach dem Sturz in die roten Zahlen wieder auf Steigflug trimmen. Der Kurs der nächsten Monate ist klar: Strikte Sparsamkeit und Vorsicht bei Investitionen, lauten die Vorgaben. "Es geht um Kosten, Kosten und nochmals Kosten", fasst Mayrhuber die Zielvorgaben zusammen.

Der verheiratete Vater dreier Kinder steht also in den nächsten Jahren vor keiner einfachen Aufgabe. Aber er lässt sich durch Schwierigkeiten nicht so schnell aus der Bahn werfen - auch im Privatleben. Seine neue, unauffällige Metallbrille verdankt der Liebhaber moderner Kunst, der sich in der Jugendzeit für die Kurventechnik der britischen Motorradlegende Sterling Moss begeisterte, nicht etwa einem Imageberater, sondern seiner heutigen Lieblingsbeschäftigung in der Freizeit: dem Skifahren. Die alte Hornbrille, jahrelang Mayrhubers Markenzeichen, ging vor wenigen Wochen auf der Piste zu Bruch.

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