Der nicht näher bezifferte Kaufpreis kann "ohne Probleme" aus den in der vergangenen Woche beschlossenen Firmenverkäufen finanziert werden
Preussag baut Position als Top-Touristik-Konzern aus

dpa HANNOVER/PARIS. Der Tourismus-Konzern Preussag schließt eine der letzten Lücken in seinem Europageschäft. Nur wenige Monate nach der Übernahme der britischen Thomson Travel beteiligt sich Preussag am Reiseanbieter Nouvelles Frontières. "Die Beteiligung sichert uns in Frankreich eine exzellente Geschäftsbasis", sagte der Preussag-Vorstandsvorsitzende Michael Frenzel am Mittwoch in Hannover.

Der nicht näher bezifferte Kaufpreis könne "ohne Probleme" aus den in der vergangenen Woche beschlossenen Firmenverkäufen finanziert werden. Er dürfte somit zwischen 250 und 350 Mill. DM liegen. Die Preussag will sich für rund sechs Mrd. DM (drei Mrd. Euro) von großen Teilen ihrer Industrie- und Handelsbeteiligungen und aus kartellrechtlichen Gründen von ihren Anteilen am Reiseunternehmen Thomas Cook trennen. Für Thomson muss Preussag rund 5,8 Mrd. DM zahlen. Die Börse reagierte zurückhaltend auf die neue Beteiligung: Der Kurs fiel bis zum späten Mittag um rund 0,7 % auf 34 Euro, damit allerdings weniger stark als der Standardwerteindex Dax.

Der neu strukturierte Preussag Konzern soll laut Frenzel von 2002 an 16 Mrd. Euro und damit inklusive des Nouvelles Frontières- Anteils etwa 80 % seines Umsatzes mit dem Kerngeschäft Touristik erzielen. Für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr erwartet der Preussag-Konzern einen Außenumsatz von 21 Mrd. Euro, bei einem Touristik-Anteil von 52 %. Zum Ergebnis gab es noch keine Angaben.

Die Beteiligung an NF sei als "strategische Allianz" zu bewerten, sagte Frenzel. Es gebe auch eine Option, den in fünf Stufen bis März 2002 auf 34,4 % wachsenden Anteil danach zu vergrößern und die Mehrheit zu übernehmen. Dies werde aber nur im Einvernehmen mit "den französischen Partnern" geschehen. Priorität habe aber nun, eine "paneuropäische Unternehmensstruktur und-kultur zu entwickeln".

Der Preussag-Chef betonte, dass Nouvelles Frontières (NF) weder ein "Sanierungsfall" noch ein "Verlustbringer" sei. NF hatte 1999 etwa 36,7 Mill. Franc (elf Mill. DM) Verlust geschrieben und 10,9 Mrd. Franc umgesetzt. Frenzel sagte, Preussag und NF ergänzten sich gut. Während Preussag vor allem im Mittelmeerraum und anderen Mittelstreckenziele stark sei, bediene NF vor allem die klassischen Fernziele. Aus der Zusammenarbeit werden in den kommenden drei Jahren Einsparungen von 100 Mill. DM erwartet.

Mit NF werde der Preussag-Konzern auf fast allen großen europäischen Märkten an Platz eins oder zwei liegen, sagte Frenzel. Die bei NF für 2001 und 2002 vorgesehene Kapitalerhöhung um 500 Mill. Franc soll für den Ausbau des Unternehmens verwendet werden.

NF wurde 1967 von dem Franzosen Jacques Maillot gegründet, der mit 50,99 % die Mehrheit an der Holdinggesellschaft Nouvelles Frontières International hält. Das Unternehmen zählt mit seinen 6 000 Mitarbeitern zu den größten drei Reiseunternehmen Frankreichs. Es betreibt unter anderem eine Clubhotel-Kette ("Paladiens"), Reisebüros, eine Autovermietung ("Pop's Car") und Fluggesellschaften (Corsair, Aerolyon).

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